Berlin : Die Liebe ihres Lebens

Susanne Juhnke hielt immer zu ihrem Mann

Elisabeth Binder

Die Ehe war nicht leicht, aber sie hat gehalten bis zum Tod. Das ist längst nicht mehr selbstverständlich. „In guten und in schlechten Tagen“, so lautete der Eheschwur, den sich Harald und Susanne Juhnke am 8. April 1971 im Standesamt Wilmersdorf, Berkaer Straße, gaben. „Die Bedeutung dieses Schwurs war mir bei unserer Trauung nicht in ihrer ganzen Ernsthaftigkeit bewusst“, schrieb sie 32 Jahre später. Da stand sie plötzlich unter dem Druck, Geld verdienen zu müssen, denn ihr Mann lebte schon seit zwei Jahren in einem Heim für Demenzkranke. „In guten und in schlechten Tagen“ nannte sie das Buch, das sie zusammen mit der Publizistin Beate Wedekind über die Liebe ihres Lebens geschrieben hat. Bis zu der Werbetour für das Buch und auch nach deren Abschluss ist die Frau an Harald Juhnkes Seite immer betont zurückhaltend und unauffällig aufgetreten, eine feine, stille Frau, die sich nie in den Vordergrund drängte.

Als sie heiratete, war sie ein lebenslustiges Mädchen aus bester Familie. Ihrem Vater gehörte das Prominenten-Restaurant Tai-Tung. Auf ihre eigene Schauspielkarriere verzichtete sie nach der Eheschließung. Dass diese Ehe voller Herausforderungen war, konnte die ganze Nation mitverfolgen. Der große Charmeur Harald Juhnke war eben ein besessener Künstler, der seiner Kunst Aufmerksamkeit verschaffen wollte, egal wie. Und nicht davor zurückscheute, seine Eskapaden, seine Abstürze und Affären öffentlich zu machen. Sein Publikum hat ihn geliebt, egal, was auch passierte.

Als Susanne Juhnke ihr Buch veröffentlichte, sah sie sich dem Verdacht ausgesetzt, sie wolle sich am Schicksal ihres Mannes bereichern. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits versucht, sich von dem alten Zuhause, der Villa im Grunewald zu trennen. Aber die Preise waren schon im Keller. Um der Werbung willen beantwortete sie auch Fragen zu den viel beachteten Affären ihres Mannes: „Ich musste nichts verzeihen. Was sollte ich verzeihen? Er hat mir nichts genommen.“

Auf die Frage „Was bleibt?“ antwortete sie vor zwei Jahren am Ende eines langen TV-Interviews mit Reinhold Beckmann: „Liebe. Verantwortung. Dankbarkeit. Mitleid.“ Das Vermächtnis einer großen Liebe, deren letzte Jahre Harald Juhnke nicht mehr bewusst miterlebt hat. Trotz allem hat er in seinem Leben großes Glück erfahren.

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