Berlin : Die Lücke wird kleiner

2005 stehen weniger Jugendliche ohne Lehrstelle da. Betriebe engagieren sich schon für das nächste Jahr

Alexander Visser

Aus Sicht der Berliner Wirtschaft zahlt sich das Engagement für mehr Ausbildungsplätze aus: Die Zahl der Berliner Jugendlichen ohne Lehrstelle dürfte 2005 geringer sein als in den Vorjahren. Ende September galten 3400 junge Menschen als noch nicht vermittelt. Im Vorjahr gab es zu diesem Zeitpunkt noch 4600 Ausbildungssuchende. Zudem gab es in der vergangenen Woche die jährliche Nachvermittlungsaktion, aus Sicht der Industrie- und Handelskammer ein „voller Erfolg“.

1200 Jugendliche waren gekommen, um noch einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Laut Berliner IHK, die die Nachvermittlung gemeinsam mit Handwerkskammer und Arbeitsagentur veranstaltet, wurden ihnen insgesamt rund 1000 Angebote unterbreitet. „Wie viele Bewerber einen Vertrag bekommen, werden wir erst in den nächsten Wochen genau sagen können,“ sagt IHK–Ausbildungsexpertin Anja Nußbaum.

Allein von Handwerksunternehmen wurden bei der Nachvermittlungsaktion noch 185 Stellen angeboten. „Mit 40 Stellen gab es die meisten freien Plätze bei den Friseuren“, sagt Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer. Unter den verspäteten Bewerbern seien nicht nur Jugendliche mit besonders geringer Qualifikation. „Es sind zum Beispiel auch Abiturienten, die zunächst studieren wollten, sich aber umentschieden haben“, sagt Wiegand.

Besonders froh sind die Ausbildungsexperten der Kammern darüber, dass die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze mit rund 10500 Stellen trotz der angespannten Wirtschaftslage stabil geblieben ist. „Das ist auch auf unsere Werbung bei den Betrieben zurückzuführen“, sagt IHK–Expertin Nußbaum. So seien viele kleinere Betriebe erstmals für eine Ausbildung gewonnen worden, während bei anderen Unternehmen Stellen gestrichen wurden. Um eine Lehrstellenabgabe abzuwenden, hatte die Wirtschaft mit der Bundesregierung 2004 einen Ausbildungspakt vereinbart und die Einwerbung neuer Stellen versprochen.

Aus Sicht der Gewerkschaften besteht für eine Entwarnung auf dem Ausbildungsmarkt allerdings kein Anlass. „Rund 12000 Jugendliche finden keinen betrieblichen Ausbildungsplatz, sondern gehen zur Berufsschule“, sagt Marco Stegmann, der beim DGB Berlin für Bildung zuständig ist. Nach Abschluss der Schule würden sie dann wieder auf den Ausbildungsmarkt drängen. Zudem sei der Rückgang der noch nicht versorgten Jugendlichen zum Teil auf die sinkende Bewerberzahl zurückzuführen: 2004 gab es 32251 Ausbildungssuchende, dieses Jahr waren nur noch 29461 gemeldet.

Berliner Firmen blicken schon nach vorne: Anfang November organisieren das Autohaus Eduard Winter, die Krankenkasse Deutsche BKK und die Deutsche Telekom gemeinsam mit anderen Unternehmen die zweiten Berliner Ausbildungstage, die junge Menschen auf eine Bewerbung für 2006 vorbereiten sollen. „Viele Jugendliche haben völlig falsche Vorstellungen von ihrem Wunschberuf. Bei uns erfahren sie von Azubis, wie die Ausbildung abläuft“, sagt Peter Baehr von Eduard Winter. Außerdem würde den Besuchern erklärt, worauf Unternehmen bei Bewerbern achten. „Im vergangenen Jahr war unser realitätsnahes Einstellungstraining besonders gefragt.

Ausbildungstage am 4. und 5. November, Audi-Zentrum Charlottenburg, Franklinstr. 24, www.ausbildungstage.de

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