Berlin : Die Luft für Raucher wird dünner

Pro & Contra: Sollen Verstöße gegen Rauchverbote auf Bahnhöfen härter bestraft werden?

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Von Stephan Wiehler

Wolfgang Göbel arbeitet seit vielen Jahren im Dienst der Berliner Verkehrsbetriebe. Natürlich fährt er schon deshalb gerne U-Bahn, am liebsten allerdings in Hongkong. Fünfmal war Göbel schon als Tourist in der Millionenmetropole am südchinesischen Meer. Und immer wieder ist er begeistert von der Sauberkeit im Untergrund. Der BVG-Mann schwärmt von blitzblanken Bahnsteigen und Gleisen, niemand käme auf die Idee, etwas unachtsam fallen zu lassen oder gar gegen das strikte Rauchverbot zu verstoßen. „Die Sauberkeit ist als Folge der Gebührenpolitik zu sehen“, glaubt der BVG-Mann. Denn Schmutzfinken und notorischen Nikotinsündern drohen in Hongkong drastische Strafen. „Wer auf einer U-Bahnstation beim Rauchen erwischt wird, muss 2000 Hongkong-Dollar, umgerechnet etwa 260 Euro, zahlen.“ Und weil solche abschreckenden Sanktionen ihre sichtbare Wirkung zeigen, bezeichnet sich Wolfgang Göbel als „Anhänger der Hongkong-Variante“.

Ob in Honkong, Singapur, den USA oder Italien – auch andernorts müssen Raucher, die sich nicht beherrschen können, inzwischen tief in die Tasche greifen. So erhöhte das italienische Gesundheitsministerium die Strafen für Verstöße gegen das Rauchverbot in Bussen und Bahnen Anfang des Jahres um das Hundertfache auf 500 Euro.

Dagegen haben uneinsichtige Qualmer in Deutschland immer noch wenig zu befürchten, wenn sie gegen Rauchverbote verstoßen. Denn im Kampf gegen den blauen Dunst setzen Behörden und Unternehmen hierzulande noch immer auf pädagogische Effekte statt auf abschreckende Strafen. Auch die Deutsche Bahn versucht ihre rauchenden Fahrgäste auf die sanfte Tour vom Qualm zu entwöhnen. Seit vergangenem Donnerstag gehört der Berliner Ostbahnhof zu den bundesweit 63 Stationen, auf denen das Zukunftsmodell „Nichtraucherbahnhof“ erprobt wird. Die Aschenbecher wurden abgeschraubt, Nikotinsüchtige werden in so genannte „Raucherinseln“ verbannt. Wer außerhalb der Inseln mit der Kippe erwischt wird, bekommt von geschultem Service-Personal die freundliche Aufforderung, den Glimmstengel auszudrücken und erhält Bonbons oder Gummibärchen als Ersatzdroge verabreicht.

Bislang blieben Raucher durch eine Rechtslücke von spürbaren Geldstrafen verschont. So gilt das Rauchen in Bussen und Bahnen zwar als Ordnungswidrigkeit. Ausgenommen sind davon aber bislang Gleisanlagen, Haltestellen und Bahnhöfe.

Doch die Luft für U-Bahnraucher könnte schon bald dünner werden. Der Verband der Verkehrsunternehmen erwartet, dass der Bundesrat noch im Herbst eine Gesetzesänderung vornimmt, nach der Verstöße gegen das Rauchverbot auf U-Bahnhöfen zusätzlich zum Reinigungsgeld mit einer Ordnungswidrigkeitsgebühr von 15 Euro geahndet werden können. „Dann hätten wir die Rechtsbasis, um verstärkt gegen Raucher vorzugehen“, sagt Wolfgang Göbel. Zumindest ein bisschen Hongkong in Berlin.

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