Berlin : Die Macht und die Frauen

Sabine Christiansen nahm bei ihrem Empfang souverän die Huldigungen der Einflussreichen entgegen

Elisabeth Binder

Die Königin des Abends trug ein goldenes Kostüm und nahm die Huldigungen an, die ihr aus drei Fahrstühlen entgegen gespült wurden. Eigentlich hatte Sabine Christiansen ganz bescheiden zum „Talk-Together“ eingeladen, wollte den Empfang im Restaurant Hugos im obersten Stock des Hotel Intercontinental als „kleines Dankeschön“ verstanden wissen an die Freunde ihrer Sendung. Am Abend der Bundespräsidentenwahl geriet der Empfang zu einer Demonstration neuer elegant-lockerer Frauenmacht.

Optisch waren die Männer in der Mehrzahl vor der wunderschönen Kulisse des nächtlich leuchtenden Berlin: Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust, „Focus“-Chef Helmut Markwort, Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee… – das Defilee wollte kein Ende nehmen. Dicht umringt Gesine Schwan und ihr Verlobter Peter Eigen. Unternehmerin Jette Joop trug einen türkisfarbenen Ring, den sie von ihrem Verlobten Alexander zu Schaumburg-Lippe zur Erinnerung an die Bundesversammlung bekommen hatte: „Ich habe Köhler gewählt. Dann kann Merkel Kanzlerin werden, ein tolles Gespann.“ Keinerlei Wehleidigkeit unter den Frauen. Alice Schwarzer glitt strahlend durch die Reihen: „Die Minderheit nominiert immer eine Frau. Ein zynisches Spiel“, sagte sie. Trotzdem hat sie mit Überläuferinnen nicht gerechnet. „Im Gegenteil, ich war überrascht, dass es so knapp ausgegangen ist.“

„Ich habe vor fünf Jahren für Dagmar Schipanski gekämpft, da hätte Schröder eine Frau haben können“, sagte Hans-Olaf Henkel, Ex-Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Walter Scheel hingegen war diesmal ganz neutral eingestellt: „Ich wäre mit jeder Lösung zufrieden gewesen.“ Beide Kandidaten seien gut gewesen. Im Übrigen sei das Kalkül unsinnig, dass es nicht eine Präsidentin und eine Kanzlerin gleichzeitig geben könne: „Mit Vergnügen! Wenn sie gut sind...“ Eine Direktwahl hält der Altbundespräsident allerdings für problematisch. „Dann wählt das Volk den Küblböck.“ Auch Renate Künast sieht das Thema Direktwahl skeptisch, weil dann die Reichen die besten Chancen hätten. Für Gesine Schwan empfand sie Bewunderung: „Sie hat mit ihrer Kandidatur was angezündet, ohne dabei die Frauenkarte zu ziehen. Sie hat bewiesen, dass sie einfach gut ist.“

Der Typus der Alibifrau ist out. Der sensible Event-Manager Manfred Schmidt sah sich Aug’ in Aug’ mit Alexandra von Rehlingen und Isa von Hardenberg, zwei Löwinnen des Party-Geschäfts. Der oberste Lobbyist der Katholischen Kirche, Prälat Karl Jüsten, erzählt voller Hochachtung von den Erkenntnissen, die er aus den Werken Gesine Schwans für sein Buch „Ethik und Ethos der Demokratie“ gezogen hat. Klaus Wowereit schwärmte offen von Gesine Schwan, die gezeigt habe, „dass sie’s kann. Nu isses Köhler, nu hat er auch die Solidarität aller“. Immer hungriger umringen die Kameras die Frauen. Sabine Christiansen gibt einen weiteren Versuch auf, sich zurückzuziehen. Die Huldigungen wollen kein Ende nehmen. Alice Schwarzer flüstert mit einigen mächtigen Politikern in einer ruhigen Ecke mit Aussicht auf die angestrahlte Siegessäule. Die Entscheidung des Tages ist bei den einen mit aufrichtiger Freude, bei den anderen mit zuversichtlicher Gelassenheit aufgenommen worden. Hier sind genug Frauen versammelt, die das Zeug zur Präsidentin hätten. Wann auch immer.

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