Berlin : Die Macht und die Schönheit

Der neue Star-Wars-Film startet mit einer Mega-Premiere am Potsdamer Platz. Den ersten gab es 1978 nur in einem Kino zu sehen

Andreas Conrad

Durch die Wüsteneien entlegenster Galaxien haben die drei Roboterbeinchen den flinken R2-D2 getragen. Auf den Flügeln irrwitzig dahinjagender Raumschiffe haben sie ihn festgehalten. Kein Klonkrieger war ihrer Wendigkeit gewachsen. Aber hier auf dem roten Teppich vor dem Musicaltheater, in den sanften Falten der Auslegware, hat der kleine Kerl seine liebe Not und muss durch helfende Hände der Weg gewiesen bekommen.

Nein, so eine Premiere ist seine Sache nicht. Vielleicht liegt das auch am Namen. „Errzwoo-Deezwoo“ – als Sprechchor klingt das nicht. „Daaarth Vader!“ ist schon besser, und erst „Aaanaaakin!“ – großartig, die Scharen der Fans gestern am Marlene-Dietrich-Platz haben es bewiesen – und dabei war der Düsterling Vader nicht mal real da, nur als kostümierter Komparse, anders als Anakin Skywalkers Alter ego Hayden Christensen.

Wer am letzten Freitag der Pressevorführung „Star Wars – Episode III: Die Rache der Sith“ beiwohnte, bekam schon einen Vorgeschmack dessen, was ihn zur Premiere im Theater erwarten sollte. Ein halbes Dutzend galaktischer Sturmtruppen hatte im Foyer des Zoo-Palasts Stellung bezogen, mit Plastikrüstungen, Atemmasken und allerlei Laser-Schießgerät. Gestern waren Sternenkrieger sogar in Kompaniestärke angerückt, professionell ausgestattete Mitglieder eines Fanclubs, die Kulisse für den Auftritt von Regisseur George Lucas und seinen Darstellern Hayden Christensen, Natalie Portman und Christopher Lee – Stormtroopers und andere Spezialkrieger, die Skywalkers, Darth Vader, ein zotteliger Wookie, schließlich ferngesteuert R2-D2. Erstaunlich, dass sich das Publikum, darunter Barbara Schöne, Joachim Król, Oliver Kalkofe und Christiane Paul, modisch nur wenig der „Star-Wars“–Welt angepasst hatte. Hin und wieder ein Raumschiff am Revers, eine Schneckenfrisur wie einst Prinzessin Leia, allenfalls ein kleiner Meister Yoda, ein paar Lichtschwerter – das war alles. Aber Fotoapparate hatten viele dabei, um sich vor den Weltraum-Statisten abzulichten, am liebsten mit Darth Vader oder auch dem kleinen Roboter – kein Wunder, wenn er ab und zu streikte.

Drinnen im Foyer liefen da bereits Weltraumschlachten über die Monitore, flimmernde Unterhaltung zu bläulichen Cocktails. Später sollte es im exklusiven Kreis weitergehen im Kaisersaal, heute tritt Lucas mit Produzent Rick McCallum und Christopher Lee vor die Presse. Die anderen Stars sind schon wieder weg.

Immerhin, sie waren da, anders als 1978, dem Jahr, in dem alles begann, jedenfalls hier in Berlin: Über ein halbes Jahr ist vergangen, seit in Amerika „Star Wars“ in die Kinos gekommen ist, mit unerwartetem, überwältigendem Erfolg. Am 10. Februar 1978 ist es auch in West-Berlin soweit. Der „Krieg der Sterne“ beginnt – in einem einzigen Kino. Immerhin darf sich das Publikum darauf freuen, den Film im Royal-Palast „in 70 mm auf der Großbildwand“ und in „6-Kanal-Stereo-Ton“ zu sehen. Eine mehrere Meter hohe Figur des Roboters C-3PO macht jedem klar, dass hier im Europa-Center der Weltraum beginnt. Ganze 28 Wochen wird der Film laufen.

Der neue Lucas dagegen startet in 25 Berliner Häusern. Manchem, der den Premierenrummel sieht und sich der alten West-Berliner Zeiten erinnern, wird wohl der allererste Satz der „Star-Wars“-Saga einfallen: „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis.“

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