Berlin : Die Madonna in Staaken

Vorweihnachtliche Freude in der evangelischen Dorfkirche

Constance Frey

Nein, kalt ist es wirklich nicht in der kleinen Staakener Dorfkirche. Die etwa hundert Plätze auf den Holzbänken sind besetzt, und die Empore knarzt und zeugt vom Hin und Her der Musikanten und anderer Kirchenbesucher. Denn die Kinder, die das Krippenspiel aufführen, haben auch dort oben Platz genommen. Zwischendurch spielt ein musikalisches Ensemble aus Blockflöten und einem Cello, zehn Kirchenlieder stehen auf dem Programm, und es will ja auch noch ein Gottesdienst gehalten werden. Alles in allem ergibt das eine etwas hektische Veranstaltung mit familiärem Einschlag. Eine Konfirmandin steigt unter dem besorgten Blick von Pfarrer Norbert Rauer auf eine Leiter, um die vier Kerzen im Adventskranz anzuzünden. Direkt dahinter steht die Staakener Madonna. Diesen Sonntag sei es auch in einer evangelischen Kirche erlaubt, die Madonna aufzustellen, erklärt der Pfarrer, denn der Vers zum vierten Advent handelt von der Begegnung von Elisabeth mit Maria. „Ansonsten stellen wir sie immer gerne in die Ecke.“ Die zwölf Theologen auf dem Wandgemälde, darunter Martin Luther, Erasmus und Huldrych Zwingli, lauschen still dieser Erklärung. Das Original der Madonna ist im Übrigen eine Dauerleihgabe an das Märkische Museum.

In der Predigt geht es um den Brief des Paulus an die Philipper. „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!“ Und so verläuft auch das Krippenspiel. Die Engel wollen so schnell ihre frohe Botschaft von der Geburt Christi überbringen, dass sie das Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her“ überspringen. Und die Hirten brechen freudig zur Krippe auf, obwohl noch ein Dialog fehlt. Die Gruppe von 16 Kinder schlägt sich trotz nur achtwöchiger Übungszeit wacker. Josef hat extra seinen Spickzettel auf seinen Wanderstock gepinnt und Maria zieht die Zettelchen aus ihrem weißen Gewand. Dann müssen, wie Pfarrer Norbert Rauer sagt, die Kinder die Predigt über sich ergehen lassen. Aber die ist nicht lang und nicht kompliziert.

Die Menschen sollen sich nicht in der Vorweihnachtszeit zur Freude zwingen, sondern es halten wie Paulus, der seinen Brief im Gefängnis verfasst und trotzdem glücklich ist. Denn Paulus hat erkannt: „Wenn Gott zum Menschen geworden ist, gilt Gnade vor Recht.“ Diese Freude dauert auch länger als nur bis zur Bescherung. „Wir sollen unseren Mitmenschen sehen, wie Gott ihn sieht. Mit diesen Augen können wir uns auch selbst sehen.“ Dann gibt keinen Stolz und keinen Ehrgeiz mehr, und mit ein wenig Glück entsteht eine heitere Gelassenheit, die nicht von den Umständen abhängt. Ein bisschen so wie in diesem Gottesdienst, wo so viel in nur einer Stunde passiert, und doch alles klappt. Da kann das Kind im Babywagen gleich neben der Eingangstür vor Freude glucksen. cof

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