Berlin : Die Mafia mischt mit: 50 Prozent Wasser in bulgarischem Wein

Panschereien mit Farbstoffen, Glyzerin und Zucker – 100000 Flaschen wurden sichergestellt und vernichtet

Bernd Matthies

Berlin und Ostdeutschland sind in diesem Jahr mit gepanschtem Billigwein aus Osteuropa überschwemmt worden. Wie jetzt bestätigt wurde, haben die zuständigen amtlichen Kontrolleure seit Frühjahr eine sechsstellige Zahl von verdächtigen Flaschen sichergestellt und vernichtet. Es handelte sich um Abfüllungen im Billigsektor, die überwiegend in Berlin und den neuen Bundesländern vertrieben wurden - meist die bulgarische Marke „Rosenthaler Kadarka“, die aber nicht durchgängig betroffen war, weil sie trotz ihres einheitlichen Auftritts aus verschiedenen Quellen und von verschiedenen Importeuren kommt. Was jetzt noch im Regal stehe, sei geprüft, hieß es. Das Verbraucherschutzministerium hat die Öffentlichkeit bisher nicht informiert – es bestehe keine Gesundheitsgefahr, hieß es, und zuständig seien die örtlichen Behörden.

Wie der Berliner Weinkontrolleur Peter Scheib am Dienstag sagte, wurde in den fraglichen Flaschen, die überwiegend aus Bulgarien, vereinzelt aber auch aus Kroatien, Rumänien und den GUS-Ländern kamen, ein ganzer „Cocktail“ von zugesetzten Stoffen in unterschiedlicher Zusammensetzung gefunden. Die Fälscher, hinter denen Experten eine Art bulgarischer Mafia vermuten, haben den Wein zunächst mit bis zu 50 Prozent Wasser verdünnt und diese Manipulation dann durch Zusatz von Alkohol, Farbstoffen, Glyzerin und Zucker getarnt. Scheib sagte, dies sei beim Verkosten vor allem wegen des untypischen Geschmacksbilds etwa der beliebten Rebsorte Kadarka aufgefallen. Weine dieser süßen Geschmacksrichtung sind traditionell vor allem in der Ex-DDR beliebt – dort galten sie als „Bückware“. Offenbar hat der seitdem eingetretene extreme Preisverfall die Panschereien befördert. Sie kamen nach bisherigen Erkenntnissen nicht bei seriösen Winzern der gehobenen Preiskategorie vor, sondern offenbar ausschließlich in fünf Großbetrieben.

Die Ermittlungen waren schwierig, weil die betreffenden Weine in großen Mengen aus verschiedenen Quellen importiert wurden; jede einzelne sichergestellte Charge muss nun überprüft werden. Deshalb sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Nach Scheibs Angaben stehen gegenwärtig in Berlin rund 10000 Flaschen unter Verschluss. „Wir sind noch stark dran“, sagte er, die Arbeit der Weinkontrolle konzentriere sich im Moment ganz auf dieses Thema. Vernichtet worden seien zentral etwa 100000 Flaschen aus ganz Deutschland, und zwar bei einer Firma in Brandenburg.

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