Berlin : „Die Mauer in den Köpfen ist längst weg“

Für Abgeordnete aus Ost und West ist Berlin vor allem eines: die Einheitsstadt

Benjamin Kleemann

Sie stammen aus dem alten Westen und dem ehemaligen Osten. Jede Woche kommen sie in Berlin zusammen, um dort zu arbeiten – in der Werkstatt der Einheit: Bundestagsabgeordnete. Wie erleben sie Berlin – als west-, als ostdeutsche oder als gesamtdeutsche Stadt?

Ekin Deligöz, Grüne, Bayern

Die Generation, die jetzt aufwächst, wächst zusammen. Die Alten schaffen das nicht mehr. Bis zur inneren Einheit wird es noch eine Generation dauern. Gott sei dank verbindet Berlin den Osten und den Westen. Während der Osten ein unheimliches Kreativitätspotenzial hat, ist der Westen eher bürokratisch, hat aber auch etwas Zuverlässiges.

Carl-Eduard von Bismarck, CDU, Hamburg

Berlin ist weltweit die Stadt der Freiheit, das eint alle Berlinerinnen und Berliner. Berlin ist keinLaboratorium für deutsche Einheitsbemühungen. Hier soll jeder die Freiheit haben,in seinem Kiez nach seiner Facon zu wohnen. Heute kommt es darauf an, die Chancengleichheit zu verbessern, damit jeder diese Berliner Freiheit auch leben kann

Andrea Wicklein, SPD, Potsdam

Berlin wächst allmählich zusammen, das ist mein Gefühl. Die Grenzen zwischen Ost und West verwischen immer stärker. Das merke ich auch im Umgang mit den Kollegen. Außerdem ist Berlin eine Stadt in ständiger Veränderung. Besonders in den Ostbezirken entdecke ich immer wieder Spannendes und Neues.

Sevim Dagdelen, Linkspartei, Nordrhein-Westfalen

Großereignisse wie die Loveparade werden zwar gemeinsam gefeiert, in vielen Köpfen ist die Einheit jedoch noch nicht angekommen. Das habe ich sowohl in Gesprächen mit Ost- als auch West-Berlinern festgestellt. Das Zusammenwachsen kann nur auf einer gemeinsamen Grundlage stattfinden und ist deshalb auch keine Frage der Zeit, sondern der politischen Entscheidungen.

Miriam Gruß, FDP, Augsburg

Je häufiger mir Berlin-Besucher die Frage stellen, ob wir gerade im alten West- oder Ostteil sind, desto klarer wird mir, dass die alten Trennungslinien verwischen. Nicht mal die einst im Westteil abgeschaffte Straßenbahn ist mehr ein verlässliches Indiz für die Himmelsrichtung, seitdem die Schienen über die Bornholmer Straße nach Wedding verlängert wurden.

Michael Kretschmer, CDU, Sachsen

Für jemanden wie mich, der nicht aus Berlin kommt, ist kein Unterschied zwischen Ost und West mehr zu erkennen. Durch den Zuzug hat sich die Bevölkerung so durchmischt, dass Berlin heute gesamtdeutsch ist. Nur im Wahlverhalten lassen sich noch Unterschiede erkennen.

Carsten Schneider, SPD, Erfurt

Berlin ist wie ein Brennglas. Nirgendwo sonst sind sich Ossis und Wessis so nah. Obwohl ich glaube, dass sich der Großteil der Menschen als Berliner begreift und nicht in Ost oder West teilen lässt.

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