Berlin : Die milde Gabe ist passé

Internationale Experten zu Trends bei Stiftungen

Reicht es aus, wenn Stiftungen mit Geld, gemeinnützige Zwecke fördern? Oder können sie mehr tun, als nur zu geben? Mit der Frage, wie strategisches und effizientes Stiftungshandeln aussieht, befasste sich die Stiftung Mercator in ihrem neuen Projektzentrum am Hackeschen Markt und hatte dazu aus den USA Mark Kramer eingeladen, den Chef der Stifter-Beratungsfirma FSG. Trends aus den USA machen sich früher oder später auch hierzulande bemerkbar – und dort wollen mehr und mehr Stiftungen soziale Bedingungen grundsätzlich verändern. Reine Lobbyarbeit können sie wegen der Gesetzeslage zwar nicht leisten. Aber sie lancieren zunehmend Themen öffentlich, indem sie eigenes Material erarbeiten.

Nach Beobachtung der deutschen und amerikanischen Experten hat sich das Denken verändert. Damit reiche die reine Wohltätigkeit in Gestalt der milden Gabe nicht mehr aus. Es sei ein Trend der vergangenen 20 Jahre in den USA, aber auch in Europa und Indien, dass Philanthropie sich immer mehr auf konkrete Ergebnisse konzentriere. In dem vom Akademischen Geschäftsführer der Hertie School of Governance, Helmut Anheier, moderierten Gespräch ging es auch darum, wie nahe Stiftungen der Politik kommen dürfen, um Einfluss zu nehmen. Einer der Experten war geradezu erschrocken: „Vor fünf Jahren hätten Stiftungen das Wort vom politischen Einfluss noch nicht in den Mund genommen.“ Inzwischen sei Risikofreude erwünscht. Doch natürlich gebe es auf der anderen Seite des Atlantiks immer noch viele Stiftungen, die bestehende Verhältnisse nicht ändern, sondern mit ihren Gaben vor allem Menschen helfen wollen.

„Viele Stiftungen ähneln einander zu sehr“, gab Consultant Mark Kramer zu bedenken. „Sie haben kein klares Ziel, sondern bearbeiten lediglich ein Thema.“ Wichtig sei, erst Ziele zu definieren und dann die Struktur einer Stiftung zu entwerfen. Ideal seien eine globale Ausrichtung, Lernfreude und gute Kenntnisse der lokalen Verhältnisse. „Und man braucht unbedingt Kommunikationsexperten und Kümmerer“, sagte die Geschäftsführerin der Breuninger Stiftung, Helga Breuninger.

Die Frage, welche Art Wandel Stiftungen konkret bewirken können, brachte die langjährige Ausländerbeauftragte Barbara John auf. Anheier sammelt solche Beispiele und nannte etwa den Umgang mit jugendlichen Delinquenten in Connecticut. Früher wurden sie auch nach milden Vergehen wie Schuleschwänzen ins Gefängnis gebracht, wo sie erst recht in die Kriminalität abrutschten. Eine Familienstiftung bewirkte, dass sich das änderte. Bi

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