Berlin : Die Minister lassen bitten

Zur Besichtigung der Dienstgebäude am Wochenende sollten Besucher einen Ausweis mitbringen – und Geduld

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Von Annette kögel

Manchmal kommt einem das als Ur-Berliner immer noch komisch vor: Wenn es heißt, „Berlin“ habe jetzt dieses oder jenes entschieden. Doch die Stadt ist längst keine bundesrepublikanische Enklave mehr in der DDR, und die Bundesregierung sitzt eben nicht mehr in Bonn, sondern in Berlin. Und damit die Berliner sehen können, wo genau der Kanzler und seine Minister deutsche Politik machen, lädt der Bund in diesem Jahr zum bereits vierten Mal zum Tag der Offenen Tür – und auch an diesem Wochenende werden wieder rund 100 000 Besucher erwartet.

„Einladung zum Staatsbesuch“ lautet das Motto der Veranstaltungen morgen und am Sonntag – doch in diesem Fall ganz ohne Protokoll. Mitzubringen sind nur der Personalausweis oder der Reisepass und der Sicherheitskontrollen wegen bitte nur wenig Gepäck – sowie Geduld, denn gerade vorm Kanzleramt bilden sich erfahrungsgemäß recht erhebliche Warteschlangen. In den meisten Behörden können die Besucher bis an die Schreibtische der Minister treten: Hier telefoniert sonst Joschka Fischer, da unterzeichnet Renate Künast, dort befiehlt Peter Struck.

Wer allerdings wähnt, anlässlich des „Staatsbesuchs“ nur zwischen Aktenordnern und Computerbildschirmen zu spazieren, liegt falsch. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und die 14 Ministerien haben sich einiges einfallen lassen, um die Besichtigungen kurzweilig zu gestalten. So bittet das Auswärtige Amt beispielsweise die Grand-Prix-Gewinnerin Marie N aus Lettland auf die Bühne, und das Haus von Renate Künast wartet mit „Viva“-Moderator Mola Adebisi als Quizmaster auf. Im Innenministerium kämpft Judo-Vize-Europameisterin Patrizia Grabowski, Kinder können eine Kletterwand erklimmen, Personenschützer geben Einblicke in ihren Job. Das Umweltministerium zeigt Kurzfilme und bittet die Theatergruppe „Argonauten“ auf die Bühne.

Kunst, Kultur, Musik – und natürlich auch Politik. Schließlich hat sich die Bundesregierung beim diesjährigen Tag der Offenen Tür das Leitthema des Weltgipfels in Johannesburg Ende August zum Motto gemacht: In Ausstellungen, Gesprächen und Diskussionsrunden geht es immer wieder um das Thema Nachhaltigkeit.

Lust aufs politische Sightseeing? Grundsätzlich haben das Kanzleramt, das Presseamt und die Ministerien an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Aber Achtung: Nicht alle Häuser machen an beiden Tagen mit. Das Auswärtige Amt und die Bundesministerien für Justiz, für Finanzen, für Familie sowie für Bauen öffnen ihre Türen nur am Sonnabend. Das Wirtschaftsministerium und das Entwicklungsministerium machen nur am Sonntag mit.

Da das Volk vermutlich zuhauf herbeiströmen und etwaige Parkplätze belegen wird, ist es sinnvoll, sich selbst im Sinne der Nachhaltigkeit umweltbewusst zu zeigen und das Auto zuhause zu lassen. Die BVG hat einen Shuttledienst im Ringbetrieb eingerichtet, alle zehn Minuten stoppt ein neuer Bus an der jeweiligen Haltestelle.

Informationen im Internet:

www.bundesregierung.de

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