Berlin : Die Ministerin und der Muskelmann

Von der Leyen wirbt für Weddinger Schulprojekt

Stefan Jacobs

Die Bundesfamilienministerin hat jetzt acht Kinder. „Ich bin die Mutter dieses Projekts“, sagt sie in der überfüllten Aula der Ernst-Schering-Oberschule. „Und ihr könnt euch vorstellen, wer der Vater ist…“ Der Vater heißt Ralf Moeller und er hat es vom Schwimmmeister in Recklinghausen über „Mister Universum“ zum Hollywood-Schauspieler („Gladiator“) gebracht. An diesem Freitag ist er mit der CDU-Politikerin an die Gesamtschule nach Wedding gekommen, um für das Projekt „Starke Typen“ zu werben. Sie sei hier, „weil an dieser Schule seit Jahren daran gearbeitet wird, dass jeder Einzelne seine Stärken findet“, sagt von der Leyen, „auch wenn sie manchmal unter einer dicken Schicht von Problemen verborgen sind.“ Und Moeller sagt: „Wir sind hier, um euch zu zeigen, wie gut ihr seid.“

70 Prozent der 465 Schüler sind nichtdeutscher Herkunft. Eine Lehrerin erzählt hinter vorgehaltener Hand, dass der langjährige Partner Schering sich in den letzten Jahren aus der Arbeit mit der Schule zurückgezogen hatte. Jetzt ist Schering aber wieder da, kündigt einen „Laborkurs“ für Neuntklässler an, um bei der Berufsorientierung zu helfen. Auch VW will sich beteiligen und Bewerbungstrainings unterstützen. Anderes wie die obligatorischen dreiwöchigen Berufspraktika hat die Schule selbst initiiert. Deshalb wurde sie als eine von zunächst vier Schulen in Deutschland für die Aktion „Starke Typen“ ausgewählt.

Moeller erzählt, wie schnell er als Einwanderer in den USA begriffen habe, dass Sprachkenntnisse am wichtigsten seien – gefolgt von Sport, Teamgeist und dem Umgang mit Niederlagen. Denn es geht bei dem Projekt auch darum, dass Jugendliche ihre körperliche Kraft nicht wahllos an Mitmenschen auslassen sollen.

Eine Schülerin fragt, wie die Ministerin sieben Kinder und Job zusammenbringe. Ihr Mann sei begeisterter Vater, sagt sie, und zusätzlich habe sie eine Tagesmutter und eine Haushaltshilfe – „und an denen hängt ja auch wieder eine Familie dran“. So funktioniere die Gesellschaft. Moeller verspricht den Schülern, wiederzukommen. Es gibt viel Applaus. So ernst werden die Jugendlichen nicht oft genommen.

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