Berlin : Die Mitglieder einer Motorradgang sollen Schutzgeld erpresst haben

kf

So still neben ihren Verteidigern sitzend, machten die Angeklagten eigentlich keinen besonders bedrohlichen Eindruck. Da sich der Zeuge aber offenbar dennoch fürchtete, schickte der Richter die Mitglieder der Rockergruppe "Born to be wild" sicherheitshalber vor die Tür: Neun Männer im Alter zwischen 31 und 49 Jahren mit langen Haaren, tätowierten Armen und Bärten. Der Abgang der Hünen blieb allerdings ohne durchschlagenen Erfolg: "Ohne einen Anwalt sage ich nichts", erklärte der geladene Tatoo-Studio-Besitzer im Moabiter Kriminalgericht.

Fünf Jahre lang sollen die "Born to be wild"-Komplizen bei Inhabern von Tatoo-Studios insgesamt 145 000 Mark erpreßt haben, um ihren Club zu finanzieren. Nachdem einer der Besitzer die Zahlung verweigert hatte, stürmten im April 1996 laut Anklage etwa zehn Mann in das Studio, verwüsteten die Inneneinrichtung und verprügelten den Betreiber. Einem weiteren Opfer sollen wegen "offener Zahlungen" Elektrogeräte gestohlen worden sein. Ein Unternehmer verschwand aus Berlin, nachdem ihm die "Borns" verboten hatten, in der Stadt ein Studio zu eröffnen.

Ans Licht kamen die "Geschäfte", weil sich die Motorradliebhaber offenbar noch anderen Vergnügungen hingaben. Im Rahmen eines Verfahrens wegen Drogenhandels fand die Polizei im Januar 1997 bei den "Borns" unter anderem Gewehre, Pistolen, Haschisch und Kokain. Der am Montag geladene Zeuge konnte sich mit seiner Erklärung nur kurzfristig aus der Affäre ziehen. Am kommenden Montag wollen die Richter ihn erneut als Zeugen hören - dann allerdings mit einem Verteidiger an seiner Seite.

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