Berlin : Die Mitte voller Narren

100 Vereine, 60 Festwagen, 15 Musikzüge: Berlins Karnevalsumzug wird heute größer denn je

Jörn Hasselmann,Christian van Lessen

Was für ein Trubel gestern Mittag vor einem Geschäft am Kaiser-Wilhelm-Platz in Schöneberg: Ein Mann am Eingang lässt die Leute nur stoßweise herein. Wenn die Warteschlange vor „Deko-Behrendt“ und seinen Faschingsartikeln ein Stimmungsbarometer ist, dann dürfte auch dem heutigen großen Karnevalsumzug der Publikumserfolg sicher sein. Eine Million Zuschauer werden erwartet.

Für Harald Grunert, den Vorsitzenden des Zugs, ist der Andrang nach Pappnasen, Masken und Kostümen jedenfalls ein eindeutiger Beleg dafür, dass sich der Karneval in Berlin wirklich etabliert. Wie auch das Wort Karneval, denn eigentlich ist hier der „Fasching“ üblicher.

Grunert selbst hat festgestellt, dass sich beispielsweise die Faschings- oder besser: Karnevalskostümabteilung im Kaufhof am Alex innerhalb der letzten Jahre verfünffacht hat. „Die Begeisterung wächst“, freut sich der rheinische Vorsitzende, der heute auch den bisher größten Berliner Karnevalszug leitet. Mehr als 100 Vereine und Gruppen, über 60 Festwagen und mindestens 15 Musikzüge sind dabei. Der sechste Karnevalszug „seit der Wiederauferstehung des fröhlichen Massen-Straßenfestes in Berlin“ startet am Potsdamer Platz, führt mittags ab durch die Mitte, am Gendarmenmarkt vorbei, bis zum Schlossplatz.

Die Polizei sperrt deshalb zwischen 9 und 17 Uhr das Areal ringsum ab und rät Autofahrern, die Mitte zu meiden. In den Vormittagsstunden sammeln sich die Gruppen und Festwagen, bis 11.30 Uhr sollen sie startklar sein. Der eigentliche Umzug setzt sich zur halbwegs närrischen Zeit um 12.11 Uhr in Bewegung, zieht dann über die Leipziger-, Markgrafen-, Französische-, Friedrichstraße bis zum Boulevard Unter den Linden. Von dort geht es weiter über die Karl-Liebknecht-Straße in die Spandauer Straße, die Rathausstraße, um dann gegen 16 Uhr am Schloßplatz zu enden, wo ein großes Festzelt die Narren empfängt.

Aber bis es soweit ist, können die Zuschauer einen Zug erleben, in dem rund 4000 Karnevalsfreunde teilnehmen. Allein 23 heimische Traditionsvereine, wie beispielsweise die Stadtgarde Rot Gold Berlin oder die Charlottenburger KG Blau-Gelb, der Berliner Carneval Verein 1968 oder die Spandauer Jecken 04. Um die hiesigen Frohnaturen zu verstärken, sind nicht nur etliche Züge, Tanz- und Musikgruppen aus Brandenburg dabei. Es ziehen auch Gäste aus dem pfälzischen Bad Kreuznach und aus Eschweiler bei Köln mit. Auch die Ständige Vertretung von Harald Grunert. Den krönenden Abschluss des Zuges bildet der Prinzenwagen mit Prinz Eckart I. und Prinzessin Inge I., und sie werden vermutlich ein wenig heiser sein vom vielen „Berlin hei-jo“ rufen oder „Olé Olé olé, Karneval an der Spree!“ Die Arme werden den Leuten auf den Wagen vermutlich weh tun vom vielen „Kamelle“-Werfen: 15 Tonnen Süßigkeiten, Sträußchen und Spielzeug soll es regnen. Harald Grunert hatte gestern nur eine Sorge: das Wetter. Aber so schlecht sind die Prognosen nicht. Was so auf den Zügen zu sehen ist, will er vorab nicht verraten. Es soll ja spannend werden.

Gefeiert wird aber auch andernorts: Etwa im Horst-Dohm-Stadion in Wilmersdorf. Kostümierte Kinder bis zum Alter von 15 Jahren haben ab 13.30 Uhr freien Eintritt. Es gibt Tanz- und Geschicklichkeitsspiele. Und: Die besten Kostüme werden prämiert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben