Berlin : Die Muse und das Bonbon

Burkhard Wildhagen gehört zur neuen Berliner Modeszene. Zum dritten Mal ist er bei der Coral Fashion Show dabei. Sein Wunsch: Die Berliner Weltklasse exportieren

Constance Frey

Burkhard Wildhagen sitzt auf dem Boden und nippt an einem Glas Wasser. Hinter ihm stehen fünf Kleiderpuppen, die seine Kreationen tragen: ein kurzes Kleid aus blauer Seide, ein mit grünen Perlen durchwebter Hosenanzug, das Lederoberteil, mit dem Katrin Wrobel 2002 die Wahlen zur Miss Germany gewann. „Das war mein Durchbruch.“ Durch die plötzlich prominente Trägerin ist sein Name in Umlauf gekommen.

Burkhard Wildhagen bedient mit seinen 29 Jahren bereits eine breit gefächerte Kundschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Heute präsentiert er im Rahmen der Coral Fashion Show 15 neue Modelle. Die Modenschau stellt dieses Jahr mehrere Jungtalente vor, aber der Berliner Designer würde auch eine Unterstützung der bereits bestehenden Ateliers in der Hauptstadt begrüßen. „Die Berliner Mode an sich ist schon szenisch. Aber es gibt keine Weltklasse, es fehlt das ganz feine Flair.“ Wildhagen wünscht sich eine Plattform, die Berliner Künstler präsentiert, auf dass sie in der Welt bekannt werden. „Wir haben gute Leute, es fehlt nur ein gutes Investitionsklima.“

Im Berliner Hansa-Theater konnte der gelernte Herrenschneider sich ab 1998 auch an Frauenmodellen probieren. „Sobald ich meine Arbeit beendet hatte, bin ich in andere Abteilungen gelaufen und habe Sachen getestet.“ Neben seiner Ausbildung im Berliner Lette Verein arbeitete er weiter. „Ich saß morgens manchmal total fertig im Unterricht, weil ich die Nacht durchgearbeitet hatte. Und meine Kommilitonen waren fertig, weil sie die Nacht durchgefeiert hatten.“

Bis heute arbeitet er am liebsten nachts. Den weißen Hut auf dem Kopf einer Puppe hat er in Acht-Stunden-Schichten über drei Wochen nächtlicher Arbeit mit Strassperlen bestickt. Zu seinen Kreationen hat er einen ganz persönlichen Bezug, gibt ihnen Namen wie „Bonbon“, „Sahnehäubchen“ oder „Schwarze Orchidee“. Für seine Kunden nimmt er sich Zeit, um den genauen, vielleicht unausgesprochenen Wunsch herauszuhören. Bei so viel Investition müssen die Models, die seine Kreationen tragen, sie verstehen und mit Leben erfüllen. „Ich arbeite lieber mit Frauen statt Mädchen.“ Wildhagen sucht sich seine Models selbst aus.

Seine Musen Zoe und Kadi lässt er schon mal ins Atelier kommen, um durch ihre Bewegungen Inspiration für den perfekten Schnitt zu finden. Heute Morgen um 10 Uhr geht dann der Stress mit der Anprobe, dem Schminken und Stylen hinter der Bühne am Brandenburger Tor los. Winfried Glatzeder, Katrin Wrobel, die aktuelle Miss Berlin Silvia Tietz und Yara Wortmann laufen für ihn. Die übrigen Models hat er noch nicht gesehen. Auch hier will er auswählen und notfalls Nein sagen. „Wenn es sein muss, gibt es dann eben weniger Stücke von mir auf dem Laufsteg zu sehen.“

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