Berlin : Die Museumsinsel kämpft um ihre Zukunft

Kulturstaatssekretär Neumann: keine Festlegung auf Neubauten – die Preußenstiftung widerspricht

Ralf Schönball / Bernhard Schulz

Im Streit um die künftige Gestaltung der Berliner Museumsinsel ist noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob das Eingangsgebäude von Stararchitekt David Chipperfield sowie die „Archäologische Promenade“ zur Erschließung des Weltkulturerbes errichtet werden. Dies sagte ein Sprecher von Kulturstaatssekretär Bernd Neumann dem Tagesspiegel. Zwar habe der Stiftungsrat unter Vorsitz von Bernd Neumann in der Sitzung vom 21. Juli „die Elemente des Masterplans unverändert bestätigt“. Es sei jedoch „keine Festlegung über moderne Ergänzungsbauten getroffen worden“. Da der Beauftragte für Kultur und Medien die Sanierung der Museumsinsel finanziert, ist daher weiterhin unklar, ob die so wichtigen Neubauten kommen – oder den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen.

Wie am Sonntag berichtet, hatte der Bundesrechnungshof in dem jüngst vorgelegten „Ergebnisbericht 2006“ seine Forderungen wiederholt, 130 Millionen Euro bei der Sanierung der fünf Museen und bei der Erschließung des Areals einzusparen. Dazu müsse man nur „auf Neubauten verzichten“. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, hatte dieses Ansinnen scharf zurückgewiesen. Ohne das Gebäude von Stararchitekt Chipperfield, mit Cafés, Shops, Restaurants und Veranstaltungsräumen und ohne die Promenade zur Erschließung der Museen sei die Insel dem Ansturm von künftig vier Millionen Besuchern nicht gewachsen.

Am Montag legte die Stiftung nach und widersprach der Darstellung aus dem Hause Neumanns: „Der Stiftungsrat unter dem Vorsitz von Neumann hat am 21. Juli die Elemente des Masterplans unverändert bestätigt. Dazu zählen auch die modernen Ergänzungsbauten und die archäologische Promenade“, sagte eine Sprecherin. Eine konkrete Entscheidung über Finanzierung und Baubeginn sei damit nicht verbunden. Diese könne überhaupt erst fallen, wenn die Baumaßnahmen für das Alte Museum beschlossen sind. Das ist der fünfte der vorhandenen Museumsbauten und wird erst gegen 2011 fertiggestellt. Die Sprecherin der Preußenstiftung wünscht sich zwar eine private Mitfinanzierung des Eingangsgebäudes, um das Projekt zu beschleunigen. Doch seien hierüber noch keine konkreten Gespräche geführt worden.

Sollten die Neubauten tatsächlich dem Rotstift zum Opfer fallen, dann müsste der Stiftungsrat Kernelemente des Masterplans aufgeben: In einer vom Bundesamt für Bauwesen zusammen mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz herausgegebenen Dokumentation zählen ein „neues zentrales Eingangsbauwerk auf der Freifläche am Kupfergraben, eine Verbindung der Baukörper in Gestalt einer ärchäologischen Promenade sowie Verwaltungsneubauten auf dem ehemaligen Gelände der Friedrich-Engels-Kaserne“ zu den wesentlichen Bestandteilen des Masterplans.

Nach derzeitigen Planungen sollen die Baukosten für die Museumsinsel 1,5 Milliarden Euro nicht übersteigen. Die bislang genannte Summe von 2,2 Milliarden Euro schließt weitere Bauten, insbesondere die Staatsbibliothek unter den Linden ein. Für die Wiederherstellung des neuen Museums sind 230 Millionen Euro bewilligt. Das Pergamon-Museum schlägt bislang mit geschätzten 351 Millionen Euro zu Buche. Hier hat die Baukommission der Stiftung bereits Einsparungen in Höhe von 25 Millionen Euro beschlossen. So wurde etwa auf die vollständige Absenkung der Kellerebene unter dem Ehrenhof zum Bau einer Erschließungsebene verzichtet. Die Anbindung an die benachbarten Museen im Rahmen der ärchäologischen Promenade bleibt jedoch im Nordtrakt erhalten.

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