Berlin : Die Museumspläne sind noch nicht vom Tisch

Klaus Wieking

Die ehemalige Sommerresidenz des Malers Max Liebermann am Wannsee soll Museum werden - dies bekräftigten einmal mehr die Senatsverwaltung für Kultur und der Bezirk Zehlendorf. Sie traten damit Meldungen entgegen, wonach der scheidende Kultursenator Peter Radunski (CDU) die Umsetzung eines entsprechenden Beschlusses des Abgeordnetenhauses als erledigt betrachtet.

Das Abgeordnetenhaus hatte Ende 1997 einstimmig beschlossen, die Villa des Künstlers in ein Liebermann-Museum umzuwandeln. Dem steht jedoch entgegen, dass der Pächter der Wannsee-Villa, der Deutsche Unterwasserclub (DUC), noch einen Pachtvertrag bis zum Jahre 2015 hat und laut Vertragstext nur ausziehen muss, wenn ihm der Bezirk Zehlendorf ein angemessenes anderes Domizil zur Verfügung stellt (wir berichteten mehrfach). Um ein solches bemüht sich mit zunehmender Verzweiflung das Bezirksamt, ohne bisher in die Nähe einer greifbaren Lösung gekommen zu sein.

In seinem fünften Rechenschaftsbericht in der Angelegenheit hatte Radunski deshalb geschrieben, dass eine "kurzfristige Umsetzung" des Abgeordnetenbeschlusses "nicht möglich" sei. "Wir bitten, den Beschluss als erledigt zu betrachten", heißt es am Ende des Berichts. Dieser Satz beziehe sich jedoch nur auf die Berichterstattungspflicht des Senators, aber nicht auf die Sache, beteuert die Sprecherin der Senatsverwaltung für Kultur, Marina Bauer. "Wir verfolgen weiterhin das Ziel, ein Liebermann-Museum einzurichten", sagt die Sprecherin. Der Senat sei an dieser Stelle aber nicht handlungsfähig, betont Marina Bauer mit Blick auf Zehlendorf.

Tatsächlich arbeitet sich das Bezirksamt weiter an dem Problem ab. "Wir sind dabei, eine Lösung zu präsentieren", sagt der zuständige Dezernent Stefan Wöbke (CDU). Nach seinem Konzept soll sich der DUC Haus und Wassergrundstück entweder mit zwei Anglervereinen oder mit einem Ruderclub, beide am großen Wannsee beheimatet, teilen. Wer den Auszug des DUC, seine Entschädigungansprüche für die Erhaltung der Liebermann-Villa und die Umbauten auf den Vereinsgrundstücken bezahlen soll, weiß Wöbke allerdings noch nicht. Eine finanzielle Beteiligung lehnt der Bezirk ebenso wie das Land Berlin kategorisch ab. Einer der Mitspieler hat das Konzept auch schon zur Seite gelegt, laut Wöbke hat der DUC die Bezirksamts-Lösung als nicht adäquat bezeichnet. Trotzdem soll nach dem Willen des Stadtrats bis zum immer wiederholten Umzugstermin im Jahre 2002 alles erledigt sein. "Ich möchte am Termin festhalten."

Nicht locker lassen will auch die grüne Abgeordnete Camilla Werner, die sich seit Jahren für das Liebermann-Museum einsetzt. Man werde das Thema immer wieder im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses ansprechen, kündigte sie an. Ähnlich wie Werner glaubt auch Rolf Budde, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft, jedoch nicht, dass die Senatsverwaltung für Kultur an einer Lösung ernsthaft interessiert ist. Die Verwaltung habe immer nur den Bezirk arbeiten lassen, aber nie die Initiative ergriffen, so Budde.

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