Berlin : Die Musterbesucher

Jede Minute betreten drei Gäste das Jüdische Museum – am Freitag wurde die Million voll

Holger Wild

Man kann sagen: Es war ein glückliches Händchen, das Barbara Bierprigl zur einmillionsten Besucherin des Jüdischen Museums seit seiner Eröffnung bestimmte. Gestern, kurz vor zwölf Uhr mittags, durchlief sie mit ihrer kleinen Tochter die Sicherheitsschranke – und schon schüttelte ihr der Geschäftsführer des Museums, Ulrich Klopsch die Hand. Einen Augenblick nur erschien die 36-Jährige ein wenig erschrocken, dann aber freute sie sich einfach. Und erklärte den Grund der Händeschüttelei sogleich ihrer zweieinhalbjährigen Tochter.

Der Museums-Geschäftsführer hätte kaum jemand besseren als Jubiläumsgast begrüßen können: Denn die 36-Jährige und ihre Begleitung stellen tatsächlich so etwas wie „typische Besucher“ des zweitbeliebtesten Berliner Museums dar: 650 000 Menschen kamen im letzten Jahr, das sind 1800 pro Tag, 180 pro Öffnungsstunde – also drei in jeder Minute. Und innerhalb einer solchen idealtypischen Durchschnittsminute kamen Barbara Bierprigl, ihr Lebensgefährte und die gemeinsame Tochter.

Sie kommen aus Oberammergau – also aus Deutschland, aber nicht der Berliner Region, wie jeder zweite Besucher des Museums. (Von hier kommt ein Viertel, das übrige Viertel aus dem Ausland.) Sie betraten – wie 90 Prozent – das Jüdische Museum zum ersten Mal. Und so, wie ein Drittel der Besucher unter 30 Jahre alt ist, so ist es mit Tochter Hanna auch ein Drittel der Kleinfamilie.

Ja, selbst ihr Interesse am Besuch des Jüdischen Museums spiegelt ausgewogen die Motive der meisten: Barbara Bierprigl, katholische Religionslehrerin, ist vor allem wegen der Ausstellung zur jüdischen Geschichte hier. Ihr Lebensgefährte dagegen ist eher auf die Architektur Daniel Libeskinds neugierig. „Unsere Besucherbefragungen zeigen, dass gegenwärtig sogar mehr Besucher wegen der Architektur kommen“, sagte Geschäftsführer Klopsch: „Seit Libeskind den Wettberb zum Wiederaufbau von Ground Zero gewonnen hat.“ So will das Museum in Kürze auch reine Architekturführungen anbieten. Und im Sommer soll der Garten für Kulturveranstaltungen genutzt werden. Denn Klopsch sagte auch dies: „Es wird schwer werden, in diesem Jahr wieder auf 650 000 Besucher zu kommen.“

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