Berlin : Die Mutter geprügelt und erpresst

63-Jährige entschuldigte ihren Sohn vor Gericht. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon

Kerstin Gehrke

Die Mutter betrachtete ihren Sohn wieder einmal mit sorgenvollem Blick. Mit seinen fast 40 Jahren kam er zwar als Geschäftsmann aus den USA nach Berlin. Geld aber hatte Jay K. keines. Natürlich half sie ihm. Doch was sie freiwillig gab, reichte ihm plötzlich nicht mehr. „Jay muss völlig durchgedreht sein“, sagte die 63-jährige Frau aus Steglitz gestern vor dem Landgericht. „Er ist wirklich kein böser Mensch, aber in den letzten Jahren ging bei ihm alles schief“, fügte die Zeugin entschuldigend hinzu.

Vor zwei Monaten hatte Jay K. seine Mutter in ihrer Ein-Zimmer-Wohnung geschlagen und getreten. „Du hast schlecht über mich geredet“, warf er ihr vor und machte sie mitverantwortlich für seine Scheidung und seine finanzielle Misere. Dann schüttete er eine Dose Bier über sie aus, bedrohte die pensionierte Lehrerin mit einem 30 Zentimeter langen Küchenmesser und zwang sie schließlich, 1000 Euro für ihn am Geldautomaten abzuheben. Später legte er ihr auch noch ein Schriftstück vor. Es ging darin um ihr Haus in Arkansas. Laut Anklage sollte sie ihm die Immobilie überschreiben.

„Ich arbeitete für eine amerikanische Baustofffirma“, sagte der angeklagte Sohn. Lässig schwang er ein Bein über das andere. „Das war ein großes Geschäft.“ Leider aber hatte ihn sein Boss ohne Geld nach Berlin geschickt. „Das sollte in ein paar Tagen nachkommen“, sagte der Angeklagte. Sein eigenes Konto war längst leer. „Ich hatte eine brutale Scheidung hinter mir.“ Seine Ex-Frau habe sich mit einem Multimillionär aus dem Staub gemacht. Lange beschrieb der Angeklagte seine missliche Lage. „Was hat das alles mit ihrer Mutter zu tun?“, wollte die Richterin wissen. Jay K. schien irritiert. „Eigentlich ist sie meine beste Freundin. Aber sie hat hinter meinem Rücken über mich geredet.“ Und weil seine Mutter auch den Verkauf des Hauses immer wieder verzögert habe, sei er wütend geworden. „Ich habe sie leicht mit der flachen Hand geschlagen, aber nicht getreten.“ Als die Frau vor dem Gerichtssaal saß, würdigte er sie keines Blickes. Nach ihrer Aussage drückte sie ihm schweigend die Schulter. Sie geht von einem einmaligen Ausrutscher ihres Sohnes aus. Die Richter auch. Wegen Körperverletzung und Erpressung verhängten sie eine Strafe von 19 Monaten Haft auf Bewährung.

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