Berlin : Die Nachfrage nach Gewerberäumen in der ehemaligen Brauerei ist unerwartet groß

Michael Brunner

Insbesondere Unternehmen aus dem Bereich Medien und Kommunikationstechnik wollen sich an der Schönhauser Allee ansiedelnMichael Brunner

Wer das Gelände des Pfefferbergs an der Schönhauser Allee betritt, sieht nach hinten links. Dort leuchtet eine Fassade in grellem Pink. Künstler haben das Häuschen neben der Ruine der ehemaligen Schankhalle bei einer Aktion angepinselt und der ehemaligen Brauerei damit wenigstens ein bisschen Farbe gegeben. Dennoch: Das Gelände mit den eindrucksvollen Kellergewölben erscheint in diesen Tagen als Mittelding zwischen Industriedenkmal und Tropfsteinhöhle. Das soll sich ändern.

Im Frühjahr 2000, spätestens aber im Sommer des nächsten Jahres, will die Stadtkulturgesellschaft Pfefferwerk damit beginnen, den Pfefferberg umzubauen. Bis zum Jahr 2003 sollen in vier oder fünf Schritten alle 21 Gebäude saniert werden. Das Pfefferwerk der Zukunft bekommt Läden, Ateliers, Werkstätten, Restaurants, unterschiedliche Gewerbe und soziale Projekte als Mieter. "40 Prozent Gewerbe, 30 Prozent Dienstleistungen und 30 Prozent soziale Projekte wären eine gute Mischung", sagt Heinrich Pieper, der Geschäftsführer des Pfefferwerks, nach dessen Worten Firmen aus den Bereichen Neue Medien, Informations- und Telekommunikationstechnik, Software und Computertechnologie regelrecht Schlange stehen, um sich am Pfefferberg anzusiedeln. "Wenn alle Interessenten mieten würden, hätten wir 120 Prozent", sagt Pieper. Der Chef des Pfefferwerks und nun auch des Pfefferbergs ist zuversichtlich. Er will Betreiber für ein Türkisches Bad gewinnen und für ein Jazzlokal in einem der riesigen Kellergewölbe. Und natürlich sollen die zwölf derzeitigen Mieter gehalten werden, darunter ein Architekturbüro, ein Restaurator, ein Biergroßhandel für Spezialitäten von Kirsch- bis Champagnerbier und eine Tischlerei. Im Frühling 2000 sollen die ersten Vorverträge mit Mietern unterzeichnet werden. "Ein Interessent aus dem Bereich Informationstechnik will das gesamte Haus zwei mieten", freut sich Pieper. 1400 Quadratmeter wären damit vermietet. Insgesamt gibt es 13 500 Quadratmeter Nutzfläche. Rund ein Drittel will das Pfefferwerk für eigene Projekte nutzen. Die Gebäude sind zwar alt, lassen sich aber relativ leicht umbauen. Die Häuser ruhen auf stabilen Außenmauern, die Decken finden auf einem ganzen Wald von Säulen aus Metall ihren Halt. So kommt es, dass die Innenwände verrückt oder ganz entfernt werden können.

Pieper hat das Gelände gerade erst für acht Millionen Mark von der Oberfinanzdirektion und dem Land Berlin gekauft. Der Senat steuerte vier Millionen bei, dafür verpflichtete sich die Gesellschaft, aus den künftigen Erlösen neue Arbeitsplätze zu finanzieren. Diese Vereinbarung gilt für 15 Jahre. "Wir hätten das eher haben können", sagt Heinrich Pieper und verweist auf die lange Vorgeschichte. Bereits 1990 waren Bundesregierung und Land Berlin zu gleichen Teilen Eigentümer des Pffefferwerks geworden. 1997 wurde das Gelände ausgeschrieben, das Pfefferwerk setzte sich gegen sechs Mitbieter durch. Der Zuschlag kam 1998, doch erst vor ein paar Tagen wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. "Schade, dass es so lange gedauert hat. Die Oberfinanzdirektion glaubte offenbar, ein Kronjuwel aus dem Nachlass der DDR übernommen zu haben und träumte von Erlösen in utopischer Höhe", sagt Pieper.

Fest steht: 40 Millionen Mark sind für die Sanierung der Gebäude nötig. Und es ist viel zu tun. Jahrelang hat es durch die meisten Dächer geregnet, das Wasser hat Decken und Wände aufgeweicht. Tief im Boden des Nordhofes befinden sich verrottete Benzintanks, die ausgegraben und entsorgt werden müssen. Sie gehörten zu einer Tankstelle, die es seit 1927 auf dem Gelände gab. Nach dem Willen der Planer soll der Nordhof zum Park werden. Um dem Pfefferberg zur Schönhauser Allee hin ein Gesicht zu geben, sollen Geschäfte einziehen.

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