Berlin : Die nächste Ebene

Auch nach dem Start der „Dreigroschenoper“ haben die Handwerker im Admiralspalast noch alle Hände voll zu tun. Montag steht wieder eine Premiere an

Matthias Oloew

Nach der Premiere ist vor der Premiere. Für die „Dreigroschenoper“ in der Regie von Klaus Maria Brandauer war die große Bühne im restaurierten Admiralspalast am Freitag frei, aber schon am kommenden Montag soll die nächste Premiere stattfinden: Improvisationstheater mit der Berliner Gruppe Theatersport. Das war eigentlich für die kleinere Studiobühne vorgesehen, die Falk Walter und seine Geschäftspartner unterm Dach vorgesehen haben, Spielort wird aber zunächst das viel kleinere „Foyer 101“ sein. „Das Studio ist noch nicht fertig“, sagt Admiralspalast-Sprecherin Lone Bech.

Es wird wohl auch noch ein bisschen dauern. Die Bühne befindet sich im Rohbau. Daher ist auch nicht klar, ob die Musik-Parodie „Die drei glorreichen Vier“ (Regie: Esther Schweins) dort spielen kann. Premiere soll am 15. September sein. „Das könnte auch ins Foyer 101 verlegt werden“, so die Sprecherin.

Das Foyer ist einer der Spielorte im Admiralspalast, und damit einer der Bausteine des Amüsiertempels, zu dem Walter und seine Kompagnons den Admiralspalast wieder machen wollen. Dazu gehört auch ein Keller-Club unterhalb des Innenhofs, das Grand Café an der Friedrichstraße und das Admiralsbad unterm Dach. Optimistisch, wie die Bauherren trotz der spannenden letzten Woche sind, sollen sämtliche anderen Spielorte noch im Winter ihren Betrieb aufnehmen. Jeder einzelne muss von der Bauaufsicht des Bezirks Mitte abgenommen werden. Jedes Mal könnte es deshalb wieder spannend werden. Unbehelligt davon ist allein das Kabarett-Theater „Distel“, das ohne Unterbrechung spielen wird.

Nach der Premiere ist aber auch vor dem Streit. Die Produktionsfirma der „Dreigroschenoper“ wird mit den Admiralspalast-Betreibern ums Geld feilschen. Weil das Theater während der Proben nicht fertig war, wollen die Produzenten um den Schweizer Lukas Leuenberger zumindest für diese Zeit keine Miete bezahlen. Einigen sich die Anwälte beider Seiten, könnte ein Prozess vermieden werden. Leuenberger aber ist auch zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung bereit, bei der, wie er ankündigte, „Herr Brandauer im Zeugenstand sitzen wird.“ Wirtschaftlich jedenfalls scheint das Bau-Chaos dem „Dreigroschenoper“- Projekt nicht geschadet zu haben – im Gegenteil: Die ersten Aufführungen sind ausverkauft.

Das Durcheinander rund um die Eröffnung des Admiralspalasts reiht sich ein in eine lange Kette von Pleiten, Pech und Pannen, die dieses Gebäude in seiner knapp hundertjährigen Geschichte schon erlebt hat. Mehr als ein Mal ist es dabei selbst knapp dem Untergang entronnen.

Mindestens zehn Mal ist es schon umgebaut worden. Von einer Eislaufarena im Jahr 1911 zu einem Varieté-Theater im Stil des Art-déco (1922), dann zu einer Revue-Bühne (1923), zu einem beinahe überbordend-festlichen Theatersaal (1930) und wieder in einen etwas schlicht-klassischen Stil (1939). So sieht der Saal auch heute wieder aus. In größter Gefahr war das Haus, als es Falk Walter und seine Partner schon längst zugesprochen bekommen hatten. Eine Million Euro hatten sie geboten. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wollte im Januar 2004 plötzlich mehr Geld sehen und war im Gegenzug bereit, das Haus zum Abriss freizugeben.

Auch Betreiber des Admiralspalasts hatten sich immer mal an dem Haus verhoben, zum Beispiel der Konzern der Brüder Rotter 1933. So wird es den neuen Hausherren hoffentlich nicht ergehen.

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