Berlin : Die nächsten sollen die letzten sein

Am Donnerstag starten die Seefestspiele noch wie geplant am Wannsee Danach wollen die über Auflagen verärgerten Veranstalter Berlin verlassen.

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Ausgefächert. Diesmal laufen die Seefestspiele noch am Wannsee. Foto: Manfred Thomas
Ausgefächert. Diesmal laufen die Seefestspiele noch am Wannsee. Foto: Manfred Thomas

Donnerstag feiern die Seefestspiele im Strandbad Wannsee mit Volker Schlöndorffs „Carmen“-Inszenierung und allerlei geladener Prominenz Premiere, jetzt hat Veranstalter Peter Schwenkow angekündigt: die zweiten sollen die letzten sein. Er will der Stadt mit seinen Seefestspielen den Rücken kehren. Er verhandele bereits mit drei möglichen Alternativstandorten, sagte der Chef des europaweit tätigen Unterhaltungskonzerns DEAG dem Tagesspiegel.

Grund sind die Auflagen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für die Produktion, für die bereits 28 000 Karten verkauft sind. Die Bühne musste wegen des angrenzenden Wasserschutzgebietes um sechs Meter versetzt werden. Dadurch gehen pro Veranstaltung 800 Sitze verloren. Insgesamt sind das 9600 Plätze, mindestens 5000 davon sollten laut Kalkulation der Veranstalter verkauft werden. Damit hätten die Seefestspiele nach dem Vorjahresverlust in diesem Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt, so Schwenkow. Jetzt erwartet er ein Minus von mindestens 200 000 Euro.

Besonders erzürnt ist Schwenkow darüber, dass das Veto der Senatsbehörde sechs Wochen nach Abgabe des Antrags erst am letzten Werktag vor Beginn des Bühnenaufbaus kam. So habe man keine Chance mehr für Verhandlungen gehabt, es sei denn, man hätte die Premiere am 16. August verschoben. Nach seinen Informationen handelte es sich um eine persönliche Entscheidung von Stadtentwicklungs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Im Vorjahr hätte der damalige Staatssekretär der seinerzeit zuständigen Gesundheitsverwaltung, Benjamin Hoff (Linkspartei), keine derartigen Bedenken gehabt.

Klaus Wowereit, auch für die Berliner Kultur verantwortlich, bedauert die Entscheidung und hofft, dass doch noch nicht das letzte Wort gesprochen ist: „Die Seefestspiele sind ein attraktiver Teil des Berliner Sommer-Kulturlebens“. Alle Beteiligten sollten sich danach „zügig an einen Tisch setzen und in Gesprächen klären, ob die diesmal aufgetretenen Schwierigkeiten nicht bis zum nächsten Jahr beseitigt werden können“.

„Die Seefestspiele sind eine sehr wichtige Veranstaltung und wir sollten alles versuchen, um sie hier zu halten“, sagte auch die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Abgeordnetenhausfraktion, Brigitte Lange. Ihr CDU-Kollege Stefan Schlede sprach von einer „herausragenden Attraktion“, die es gelte, in Berlin zu halten.

Schwenkow sieht jedoch keine Verhandlungsbasis mehr. „Manchmal ist es schwierig, das Kind wieder aus dem Brunnen zu holen“, sagte er. „Sie können das bei uns nicht reparieren wie beim Flughafen, bei uns ist das Geld erst einmal weg.“ So verhandelt man für 2013 bereits mit drei Standorten, zweien in Deutschland und einem im deutschsprachigen Ausland. Intendant Christoph Dammann schloss auch einen Umzug ins benachbarte Potsdam nicht aus. Rainer W. During

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