Berlin : Die neue Mauer am Potsdamer Platz

Christian van Lessen

Fast alle Bauten am Potsdamer Platz sind fertig, im Frühjahr soll mit der Anlage von Grünflächen begonnen werden. Zwischen den backsteinernen Park-Kolonnaden an der Köthener Straße und dem vergleichsweise gläsernen Daimler-Chrysler-Viertel an der Linkstraße entsteht für sechs Millionen Mark der 500 Meter lange Tilla-Durieux-Park als "Grasskulptur" mit zum Teil hohen Böschungen.

Anliegern schwant nichts Gutes. Sie fürchten, dass Sicht und Verbindung zwischen beiden Häuserseiten beeinträchtigt werden. Hugo Gensler, Geschäftsführer von HVB-Projekt (Park-Kolonnaden) erwartet gar "wieder eine Mauer am Potsdamer Platz".

Der Park solle Ruhe ausstrahlen, hatte das holländische Landschaftsarchitekturbüro DS versichert, als es die überarbeiteten Planungen eines Wettbewerbs von 1995 vor gut drei Jahren vorstellte: Eine "rotierende" Grasskulptur, die jeweils an einem Ende des Parks einerseits hohe und langsam abfallende Böschungen, andererseits Vertiefungen hat - eine nicht eben fußgängerfreundliche Anlage, die eine Sicht auf die Bauten ringsum erschwert. Die Grünplanung aber stand damals ganz im Schatten der Neubauten und fand vergleichsweise wenig Beachtung.

Nun aber, da die Arbeiten wirklich bevorstehen und als Parkzugang die "Bernburger Treppe" über der U-Bahn-Trasse entsteht, macht sich Unruhe unter den Investoren breit. Geschäftsführer Gensler fürchtet nicht nur um die Sicht auf den hellen zweistöckigen Pavillon vor einem seiner Bauten: "Der Pavillon verschwindet hinter einem großen Wall, ist vom Potsdamer Platz nicht einsehbar". Für Fußgänger seien wegen schlechter Sicht auf der anderen Seite jeweils nur die oberen Hausstockwerke zu erkennen.

Gensler sieht schon bis zu sechs Meter hohe Böschungen, spricht gar von einer Skipiste mit fast 50 Prozent Gefälle und fragt: "Wer zahlt bei Unfällen?". Daimler-Chrysler-Sprecherin Ute Wüest von Vellberg bestätigt, dass man auch in ihrem Unternehmen von den Park-Planungen "nicht angetan" ist. Ein Naherholungsgebiet zum Flanieren und für die Mittagspause der Angestellten ringsum ließe sich mit dem Entwurf kaum verwirklichen. Wünschenswert sei ein hochwertiger Park, "aber nicht eine architektonische Konkurrenz zu den Bauten ringsum".

HVB-Projekt will mit weiteren unzufriedenen Anliegern beim Senatsbaudirektor einen neuen Park-Entwurf anregen, möglichst einfach und transparent. Für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die den Wettbewerb veranstaltet hatte, kommt die Kritik "unmittelbar vor der Ausschreibung ein bisschen spät". Immerhin sei der Entwurf den Investoren seit langem bekannt. Harald Büttner vom zuständigen Grünflächenamt Mitte schwärmt zwar von dem "wie schwebend und schwingenden Gelände", sieht schon eine auf- und abfallende Blumenwiese vor sich, aber er bestätigt auch die aufkommende Kritik innerhalb der Behörden an dem "gewagten Entwurf". Die Böschungen würden nach der aktuellen Planung allerdings nicht maximal sechs, sondern nur drei Meter hoch, und die tiefen Einschnitte gegenüber gingen einen Meter in die Tiefe.

Das Projekt ließe sich vor allem beim Blick von oben genießen, beim Vorbeilaufen aber "im Einzelnen nicht begreifen". Man werde die Böschungen so bauen können, dass es nicht zu Unfällen kommt, der TÜV achte darauf, und der Bezirk habe immerhin die Verkehrssicherungspflicht.

Bestandteil des landschaftsplanerischen Wettbewerbs war auch die Gabriele-Tergit-Promenade gegenüber der Linkstraße vor den Park-Kolonnaden. Sie wird künftig hauptsächlich von Linden umsäumt sein. Zunächst als Fußgängerzone gedacht, wird sie künftig von Autos befahren.

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