Berlin : Die neuen Leinwände bedeuten das Aus für Filmbühne Wien

Matthias Oloew

Ein Jahr soll das Traditionshaus noch betrieben werden, dann zieht hier möglicherweise ein Kaufhaus einMatthias Oloew

Aus der Freien Volksbühne in der Wilmersdorfer Schaperstraße wird ein Kinozentrum. In dem denkmalgeschützten Bau sollen sieben Säle mit 1600 Sitzplätzen entstehen. Geplant ist, den großen Theatersaal zu erhalten, auch die Fassade des Baus bleibt unverändert. Angebaut wird nicht. Die Verträge sind unterschrieben, ein Bauantrag ist eingereicht. Heute will der Bauherr, eine Schweriner Investorengemeinschaft, das Projekt im Bauausschuss des Bezirks vorstellen. Als Betreiber ist die Kette Ufa im Gespräch, bestätigen will die Firma das jedoch nicht. Das Kino soll Ende des Jahres eröffnen.

Es ist das erste Mal, dass ein traditionsreiches Berliner Theater zu einem Kino wird. Bis Anfang Januar spielte in der Freien Volksbühne das Musical "Rent", eine Koproduktion des Theaters des Westens. Dessen Intendant Elmar Ottenthal hoffte, mit dem Stück die Bühne dauerhaft als zweite Spielstätte seines Hauses zu etablieren. Wegen des geringen Erfolges nahm Ottenthal das Stück jedoch vorzeitig vom Spielplan: "Es ist schwerer als erwartet, ein totgesagtes Theater wiederzubeleben", erklärte er. Bisher sind alle Versuche gescheitert, das 1963 eröffnete Theater als Sprech- oder Musikbühne zu betreiben.

Vor einem Jahr verkaufte der Verein "Freie Volksbühne" das Haus an den Schweriner Investor. Die Freie Volksbühne soll jedoch kein herkömmliches Multiplex-Kino werden, sondern ein Art-House-Kino. Dahinter verbirgt sich ein Haus mit anspruchsvollem Programm und Filmen in Originalversion. Es erfüllt alle Standards eines Multiplex-Kinos, ist aber für ein anspruchsvolleres Publikum gedacht, dem im normalen Multiplex zuviel Gewimmel herrscht.

Geplant ist, im Bühnenraum drei Kinos unterzubringen. Zwei nebeneinander liegende Säle unten, einen dritten Saal darüber. Der heutige Zuschauerraum bleibt unangetastet und wird zum größten Kinosaal mit etwa 600 Sitzplätzen. Das kleinste Theater soll 70 Plätze haben. 400 000 Besucher, so die Erwartungen, könnten jährlich das Kino besuchen. Zur Schaperstraße ist eine Kneipe geplant, deren Kellner im Sommer, so die Gedankenspiele, auch in einem Biergarten ausschenken könnten. Außerdem ist ein Restaurant geplant, in dem ebenfalls unter freiem Himmel serviert werden könnte.

Die Kinopläne für die Freie Volksbühne bedeuten vermutlich das Aus für die Filmbühne Wien am Kurfürstendamm. Ein Jahr wird die Ufa das Kino noch betreiben, danach gehen die Lichter aus. Die Kinokette plante, das traditionsreiche Filmtheater ebenfalls zu einem Art-House-Kino umzubauen. Jetzt wird die Freie Volksbühne zu einem solchen Kino, und zwei Theater dieser Art in relativer Nähe rechnen sich nicht. Die Ufa, bislang Eigentümerin der Filmbühne Wien, verkaufte das denkmalgeschütze Kino vor gut einem Jahr an einen Berliner Investor. Möglicherweise zieht hier dann ein Kaufhaus ein.

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