Berlin : Die Not der Ausländer: Kein Job und arm im Alter

Integrationsbeauftragter stellte Bericht vor – und übte selbst Kritik an den Zahlen

Ariane Bemmer

Vorneweg die Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen: 37,9 Prozent der Ausländer in Berlin sind arbeitslos, aber nur 17,4 Prozent der Deutschen. Fast 15 Prozent der Ausländer über 65 Jahre beziehen Sozialhilfe, aber nur 1,5 Prozent der Deutschen. 12,2 Prozent der ausländischen Schüler machen Abitur, aber 33,4 Prozent der deutschen.

Die Zahlen sind nachzulesen im neuen Datenreport „Integration und Migration in Berlin“, den das Netzwerk Migration im Auftrag des Integrationsbeauftragten Günter Piening seit Oktober 2004 zusammengestellt hat. Die Autoren der Studie – Ulrich Raiser und Rainer Ohliger – haben auf Daten des Statistischen Landesamtes von der Wende bis 2003 zurückgegriffen und versucht, Entwicklungen aufzuzeigen. Ins Auge springt dabei die desolate soziale Lage vieler Ausländer, ihr hoher Anteil an den Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern und den Schulabbrechern. Für Piening, der den Report am Mittwoch vorstellte, zeigen die Zahlen „mit welcher Wucht die Folgen der De-Industrialisierung die niedrig qualifizierten Ausländer getroffen haben“. Laut Autor Raiser fiel seit der Wende die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer von knapp 97000 auf 67000. Ein „rapides Sinken“, so Raiser.

Der Integrationsbeauftragte sagte dem Report zwar voraus, dass er bald ein „Standardwerk“ sein würde, übte aber selbst Kritik an der zugrunde gelegten Datenlage. Denn: Die Zahlen unterscheiden nur zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen – anhand der Staatsangehörigkeit. Da weder die Gruppe der teils schlecht integrierten Aussiedler noch die Eingebürgerten mitgerechnet werden, dürfte die Realität einigermaßen verzerrt dargestellt sein. Autor Ohliger wagte nur eine Schätzung, als er nach der realen Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund gefragt wird. Statt des ausgewiesenen Ausländeranteils von 13,8 Prozent dürfte die Quote bei etwa 20 Prozent liegen.

Dem Bericht ist auch eine Sehnsucht nach guten Nachrichten abzulesen. So wird als Zeichen für gelungene Integration bewertet, dass inzwischen jede vierte Ehe in Berlin zwischen Deutschen und Ausländern geschlossen wird. Aber das können auch Ehen zwischen eingebürgerten Türken und türkischen Staatsbürgern sein. Piening kündigte bereits an, dass die Daten nachgebessert würden.

Beim Statistischen Landesamt ist man unterdessen schon dabei, neue Beschreibungskriterien zu entwickeln. Was auch einfacher klingt, als es ist. Derzeit sucht man eine Antwort auf die Frage: Was ist Migrationshintergrund?

Der Datenreport kostet zwei Euro und ist erhältlich beim Integrationsbeauftragten, Potsdamer Straße 65, 10785 Berlin, Tel. 9017-2351. Demnächst sollen aktualisierte Daten abrufbar sein im Internet unter: www.berlin.de/auslb

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