Berlin : Die Notfallstation der Charité soll jetzt renoviert werden

Michael Brunner

Er ist etwa zwei Meter hoch, zweieinhalb Meter lang und zwei Meter breit. Wände und Decke bestehen aus durchsichtiger Folie. Der "Bettisolator", in dem der 40-jährige Kameramann Olaf U. am Freitagvormittag an den Folgen einer Gelbfiebererkrankung starb, blieb gestern hinter verschlossener Tür in der Quarantänestation des Virchow-Klinikums. Die Kamerateams des Fernsehens mussten sich mit dem zweiten Isolator in einem Zimmer eine Tür weiter begnügen. Oberarzt Eckard Klein, der zur Besichtigung eingeladen hatte, nannte als Grund die noch nicht abgeschlossenen Arbeiten in dem 18,9 Quadratmeter großen Sterbezimmer des Kameramannes. Die Desinfektion sei abgeschlossen, doch der Isolator müsse von den Technikern der Klinik erst wieder neu hergerichtet werden, sagte Klein.

Am heutigen Mittwoch sollte für die acht Ärzte und 18 Pfleger der Station wieder der normale Arbeitsalltag einkehren. 36 Betten hat die Station. Am Dienstag herrschte in dem einstöckigen und umzäunten Stationsgebäude emsige Betriebsamkeit. Es wurde gebaut, repariert, geputzt und gewischt. "Die Station lässt sich hermetisch verschließen, wenn mehrere Patienten gleichzeitig versorgt werden müssen", sagte Klein.

Für Norbert Suttorp, den Leiter der medizinischen Klinik für Infektiologie an der Charité, stellt der Tod des Kameramannes "einen äußerst seltenen Fall" dar. Nach Suttorps Worten war die Ehefrau des Verstorbenen gegen Gelbfieber geimpft. In Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut und dem Institut für Tropenmedizin werde noch genau geprüft, ob auch ihr Mann geimpft war. Dazu sind laut Suttorp aufwändige Recherchen nötig.

Die Ärztekollegen Suttorp und Klein sprachen gestern auch über Geld. "Die Station ist 20 Jahre alt und muss auf den neuesten Stand gebracht werden", sagte Norbert Suttorp und nannte eine Summe von 15 bis 20 Millionen Mark. Damit sollen unter anderem die Betriebstechnik und die Leitungssysteme erneuert werden. Bernhard Motzkus, der leitende Verwaltungsdirektor der Charité, machte eine weitere Rechnung auf. Er bezifferte die Ertragsausfälle der letzten Woche mit 400 000 Mark. "Da die Station geräumt werden musste, war kein normaler Betrieb möglich", sagte er. Ob, wann und in welchem Umfang die Quarantänestation renoviert und modernisisert wird, blieb gestern eine offene Frage.

Gabriele Lukas, die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, wollte keine Frist nennen. "Zwischen Notwendigkeit und Wunschträumen besteht ein Unterschied", sagte sie. Zunächst müsse der Bedarf durch Gesundheitsverwaltung und Wissenschaftsverwaltung geprüft werden. Bei den Berlinern hat der Tod des Kameramanns Olaf U. zu ungewöhnlicher Nachdenklichkeit und Sorgsamkeit geführt. So kam es, dass die Mitarbeiter des Instituts für Tropenmedizin am Spandauer Damm 130 in Charlottenburg sowohl am Montagabend als auch am Dienstagvormittag einen wahren Ansturm von Impfinteressenten erlebten. Am Montagabend kamen nach Angaben des Instituts 200 Menschen statt der sonst üblichen 80. Darauf verlängerte das Institut die Sprechzeiten um zwei Stunden bis 20 Uhr. Wer nicht kommen konnte, rief an. Allein am Montag gingen über 300 telefonische Anfragen und damit doppelt so viele wie üblich ein. "Es war knackevoll", sagte gestern Christian Meyer, der stellvertretende Direktor. Am Dienstag blieb der Besucheransturm nach Meyers Worten auf dem hohen Niveau des Vortags. "Das Impfbewusstsein hat sich verbessert, hoffentlich nicht nur für kurze Zeit", sagte Christian Meyer. Ein Mehrzahl von Anfragen ging laut Meyer in Richtung Gelbfieber, freilich nur bei Reisenden mit Zielen in Afrika oder Südamerika. Daneben gab es Anfragen zu Hepatitis (Gelbsucht), Cholera und dem ganzen Spektrum tropischer Virusfieber. Meyer appellierte an die Berliner, sich rechtzeitig vor Reisebeginn auf den Aufenthalt in der Ferne vorzubereiten. "Wer in die Tropen fliegt, muss vorher die Malaria-Prophylaxe machen", sagte der Spezialist. Dabei geht es um die vorsorgliche Einnahme von Medikamenten. "Wer es versäumt, könnte leicht zu den 20 Deutschen gehören, die jedes Jahr an Malaria sterben", sagte Meyer.Wer sich telefonisch informieren möchte, kann dies beim Tropeninstitut tun. Die Servicenummern sind: 19722 für Afrika, 19723 für Asien und 19724 für Süd- und Mittelamerika.

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