Berlin : Die Oberbaumbrücke wird wieder zur Galerie

Auf der Oberbaumbrücke eröffnet wieder die Open Air Gallery. Über 100 Künstler stellen aus, einige 10 000 Besucher werden erwartet.

Simon Grothe
Hinter der Oberfläche. Ilja Mlosch findet seine Kunst in der Stadt. Foto: Simon Grothe
Hinter der Oberfläche. Ilja Mlosch findet seine Kunst in der Stadt.Foto: Simon Grothe

Gemälde, Skulpturen, Fotografien: An diesem Sonntag verwandelt sich die Oberbaumbrücke wieder in eine Mischung aus Atelier und Basar. Zum zwölften Mal verkaufen mehr als 100 Künstler ihre Werke bei der Open Air Gallery. Im Vorjahr kamen etwa 45 000 Besucher.

Einer der Künstler ist Ilja Mlosch. Der 42-Jährige wohnt in einer der wenigen Altbauten östlich des Alexanderplatzes. Sein Arbeitszimmer ist das Dachgeschoss, in dem auch die fertigen Werke lagern. Zum Beispiel „Baustelle Bundesnachrichtendienst“ für 950 Euro. Vor zwei Jahren hatte er das abgebildete Baugerüst fotografiert, mit einem Lösemittel übertrug er die Farbpigmente aus dem gedruckten Foto auf eine gespachtelte Leinwand. Je nachdem, wie er die Oberfläche behandelt, werden einzelne Stellen dunkler oder heller – eine analoge Bildbearbeitung. „Das BND-Gebäude wirkt dadurch schon alt, obwohl zum Zeitpunkt der Aufnahme noch gebaut wurde“, sagt der Künstler. Im Hintergrund hat er einen Mast retuschiert, der jetzt wie eine Drohne aussieht. Politisch motiviert seien seine Bilder jedoch nicht. „Sie dokumentieren“, sagt er. Auch seine weiteren Drucke zeigen Berliner Baukunst. Im Atelier reihen sich neben dem Reichstag und einer drei Meter breiten Skyline von Berlin auch einige Fernsehtürme. Daneben lehnen minimalistische Studien von Gräsern. „Sie zeigen die Flucht aus der monumentalen Stadt in die Details“, sagt Mlosch.

Sein Stand befindet sich am Friedrichshainer Ende der Brücke – ein prominenter Platz, meint Milajana Noritsch, Kuratorin der Open Air Gallery. Etwa 400 Künstler hatten sich beworben. Eine Jury des Stadtteilausschusses Kreuzberg, der die Veranstaltung organisiert, wählte 103 aus. Um 10 Uhr würden die ersten Männer mit dicken Geldbündeln über die Brücke laufen und ihre Sammlungen bestücken, sagt Noritsch. „Bis 21 Uhr setzen sich die Künstler dann mit Kritikern, Käufern und künftigen Auftraggebern auseinander.“

Die Bilder der anderen Künstler kosten zwischen 90 und 1800 Euro. Ilja Mlosch will knapp 40 Bilder mitbringen. „Je nachdem wie viel ins Auto passt“,sagt er.

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