Berlin : „Die Öde ist das Schlimmste hier“

Am Rand der City-West stehen viele Häuser und Büros leer. Und jeden Monat machen 30 Läden dicht

Christian van Lessen

Wir bleiben drin“, sagt Koch Uwe Karlies den Gästen, die vorbeischauen. Das Lokal „Nürnberger 14“ ist um diese Mittagszeit schwach besucht. Karlies hat Zeit, auf die Nürnberger Straße, auf leere Läden im leeren lang gezogenen Haus gegenüber zu blicken, in dem einst der Finanzsenator saß. „Die Öde ist das Schlimmste hier.“

Auch das Lokal von Karlies wirkt von weitem wie geschlossen, das ganze Haus; Fenster sind blind, Läden geräumt. Es soll umgebaut werden. So öde wie hier wirkt es inzwischen auch an der Lietzenburger, Knesebeck- oder der oberen Kurfürstenstraße.

Rund um Kurfürstendamm und Tauentzienstraße müssen jeden Monat 30 Läden schließen, hat Immobilienfachmann Gottfried Kupsch ermittelt. „Es gibt ein Ladensterben“, sagt Kupsch, aber immerhin, es machen jeden Monat ein paar neue auf.

Aber noch nie hat sich der Leerstand in Nachbarschaft der berühmten Einkaufsstraßen so deutlich gezeigt. Da ist etwa das Bürohaus an der Lietzenburger- Ecke Nürnberger Straße, in dem einst das Kabarett der Wühlmäuse. Schräg gegenüber steht ein ganzes Bürogebäude aus den fünfziger Jahren leer, auch viele Läden ringsum sind verwaist. Der nahe Kurfürstendamm scheint kein Standortvorteil zu sein. Das Eckhaus Joachimstaler 22 Ecke Lietzenburger Straße wirkt heruntergekommen. Die Fenster sind blind, vereinzelt hängen Gardinen. So sieht ein Abrisshaus aus.

Eine Versicherung will hier bauen, deshalb hatten Geschäfte dicht machen müssen, nun werden sie aber wieder zur Vermietung angeboten.

„Die West-City vergammelt“, stellt Anwohnerin Evelin Kühn fest. Vor Jahren noch habe es hier viele Geschäfte gegeben, einen bekannten Herrenausstatter, mehrere Boutiquen. Nach der Wende sei es bergab gegangen und von den alten Geschäften habe nur noch die Reinigung „Florida“ überlebt.

Nach 17 Jahren hat gerade erst das Möbelhaus Lemberg an der Lietzenburger- Ecke Fasanenstraße dichtgemacht, der Eigentümer führt gesundheitliche Gründe an, aber auch wirtschaftliche. Die ganze Situation ringsum sei unbefriedigend.

Da sind die Uhland-Passagen, die auch teilweise leer stehen. Das Kudamm-Karree auf der anderen Seite der Uhlandstraße hat zwar mit dem Makro-Markt einen Anziehungspunkt, aber auch hier fallen leere Geschäfte auf. An der Lietzenburger Straße, wo das Bierlokal „Sperlingsgasse“ verstaubt, sieht es fast verwahrlost aus. In der Knesebeckstraße, nur ein paar Schritte weiter, wundern sich Passanten, wie renommierte Firmenfilialen neben Ladenflächen mit zerborstenen Fensterscheiben ausharren können.

Nicht minder fällt der Leerstand auf der anderen City-West-Seite zwischen Passauer Straße und Keithstraße auf. Überall leere Büroräume und Läden. Wer das Fischlokal „Roter Sand“ besuchen möchte, steht vor einer Baustelle mit merkwürdig schwarzem, verkohlt wirkendem Sand. Aber hier soll das Lokal nach im April wieder öffnen, steht auf einem Schild.

Uwe Karlies vom „Nürnberger 14“, sieht den Umbauten gelassen entgegen. Ringsum ist es zwar einsam geworden, aber er glaubt, dass die Gäste treu bleiben und die hohe Politik ein wachsames Augen auf ihn hält. Waren nicht eben erst, nacheinander, Franz Müntefering und Guido Westerwelle da?

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