• Die Parkbetreuer der gemeinnützigen GmbH "Jahreszeiten" werden in Recht, Psychologie und der Kunst des Überredens geschult

Berlin : Die Parkbetreuer der gemeinnützigen GmbH "Jahreszeiten" werden in Recht, Psychologie und der Kunst des Überredens geschult

Klaus Wieking

Jürgen Gabler vom Natur- und Grünflächenamt Charlottenburg weiß genau, was alles in den Parks des Bezirks nicht erlaubt ist. "Das zielgerichtete Radfahren nach der Straßenverkehrsordnung - das kann es nicht sein", sagt Gabler streng. Doch statt sich an das Gesetz für Grünanlagen zu halten, kurven Radler wild klingelnd durch die Gartendenkmale und Parks des Bezirks, und erschrecken Spaziergänger, wie der Inspektionsleiter beobachten muss. Auch die zweite Problemgruppe, die Gabler beschreibt, hält sich nicht an die Gesetze, sondern tut das genaue Gegenteil. "Jeder Park ist ein Hundeklo", schimpft Jürgen Gabler.

Auf mehr Gesetzestreue und Sauberkeit auf Charlottenburgs Grünflächen sollen jetzt 24 Herren und eine Dame achten, zu denen der Inspektionsleiter spricht: die Parkbetreuer der gemeinnützigen GmbH "Jahreszeiten". Gewandet in marineblaue Jacken, an denen der Ausweis mit Passbild baumelt, und versehen mit festem Schuhwerk patrouillieren sie vorerst für ein Jahr jeweils im Duo durch den Bezirk, um frei laufende Hunde an die Leine zu legen, rücksichtslose Radfahrer zur Räson zu bringen und Touristen den rechten Weg zu weisen. Einige der Parkwächter verfügen bereits über Erfahrung, sie sind schon in Charlottenburg oder anderswo Streife gelaufen. Ihre Erlebnisse mit den Parkbesuchern waren überwiegend positiv. "Ich war im Schlosspark unterwegs. Es gab nie eine Auseinandersetzung", berichtet Wächter Udo Tauchert. 90 Prozent der Leute würden den Aufforderungen folgen, sagt auch Alfred Wille, der früher in Spandau auf Streife ging. Die übrigen zehn Prozent des Publikums treten den Damen und Herren in den blauen Blousons jedoch mit einer Haltung entgegen, die Parkwächter Otto Stelzer so umschreibt: "Ihr könnt uns mal!"

Eine Handhabe gegen renitente Parkbenutzer haben die Streifen nicht, sie dürfen nur mahnen, nicht strafen. Das Verteilen von Strafzetteln ist den Hoheitsträgern des Landes Berlin vorbehalten. Um sich dennoch Autorität zu verschaffen, werden die Betreuer neben den rechtlichen Grundlagen ihrer Arbeit auch in der psychologischen Kunst des Überredens geschult. Der Begriff "Verboten" taucht beispielsweise nicht in ihrem Wortschatz auf, allenfalls von "nicht gestattet" ist die Rede. Zeigt sich etwa ein Hundehalter weiter unwillig, seinen Vierbeiner anzuleinen, hilft nur der geordnete Rückzug. "Einen schönen Tag wünschen und weitergehen", sei das letzte Mittel, berichtet ein Parkwächter.

Ganz sollten sich Spaziergänger jedoch nicht auf die Hilflosigkeit der Betreuer verlassen, denn über Funk können sie im Bedarfsfall auch die Polizei rufen. Dies kann für die Sünder teuer werden, der Bußgeldkatalog weist Geldstrafen von bis zu 10 000 Mark aus. Einige Zahlungsunwillige haben auch schon in Erzwingungshaft gesessen, weiss Jürgen Gabler.

Wie bei ähnlichen Projekten auch, liegt der Nutzen des Streifendienstes im Ungefähren. Baustadträtin Beate Profé sprach nach dem ersten Wächterprogramm, das Mitte 1998 auslief, von etwas mehr Sauberkeit und etwas weniger Vandalismus in den Charlottenburger Grünanlagen. Auch für die Parkwächter, zuvor oft jahrelang beim Arbeitsamt registriert, funktioniert die Maßnahme nach dem Prinzip Hoffnung, von den 50 Betreuern, die 1997/98 im grünen Teil Charlottenburgs patrouillierten, fanden drei aus dem Projekt heraus einen festen Job. Bis es soweit ist, heißt es für sie auch im Gespräch mit aggressiven Parkbesuchern die Ruhe bewahren, freundlich sein und sich in der Kunst des Überredens üben. Nicht die Keule, sondern Fingerspitzengefühl sei gefragt", sagt Inspektionsleiter Jürgen Gabler.

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