Berlin : Die Parkuhr tickt: Am Potsdamer Platz soll kassiert werden

Ein Gutachten im Auftrag des Bezirks Mitte empfiehlt Gebührenautomaten von der Philharmonie bis zur City West

Stefan Jacobs

Die Tage des Gratisparkens am Potsdamer Platz sind gezählt. Und nicht nur dort: Der Bezirk Mitte hat auch für das südwestlich davon gelegene Gebiet zwischen Tiergarten, Budapester Straße, Kurfürstenstraße und Gleisdreieck prüfen lassen, ob eine Parkraumbewirtschaftung sinnvoll sei. Ergebnis: uneingeschränkt ja.

„Es hat Sinn und es rentiert sich“, sagt Eckhart Heinrichs vom Verkehrsplanungsbüro KommunalData. Seit April hat er untersucht, wann, wo und wie lange Autos auf den rund 10000 öffentlichen Stellplätzen – also auf Straßen und in Tiefgaragen – in dem Areal parken. Dabei habe sich gezeigt, dass Einkäufer gerade am Potsdamer Platz und an der Philharmonie kaum Chancen auf eine komfortable Parklücke hätten, weil die hier Arbeitenden schon morgens alle legalen Plätze belegen würden. Auch im neuen Diplomatenviertel und rings um den Landwehrkanal seien Parklücken chronisch knapp. Einzelhändler und Anwohner (die dann allerdings eine Vignette kaufen müssen) würden also von den Parkuhren profitieren, resümiert Heinrichs. Die täglichen Acht-Stunden-Parker würden dagegen vertrieben.

Siegfried Dittrich, oberster Verkehrsplaner im Bezirksamt Mitte, weiß auch schon, wo sie ihre Autos lassen sollen: in der Tiefgarage. Unter dem Potsdamer Platz sei meist mehr als die Hälfte der Stellplätze frei, während darüber in den kleinen Straßen die Fußgängerfurten und Feuerwehrzufahrten konsequent zugeparkt würden. „Das war schon immer ein Problem am Potsdamer Platz.“ Die Parkraumbewirtschaftung würde auch mehr Kontrolle bedeuten. „Wir vom Amt her sehen das als sinnvoll an“, sagt Dittrich.

Bevor das Amt die Parkuhren aufstellen darf, müssen die Bezirksverordneten zustimmen. Ihnen wurde das Konzept am Dienstagabend erstmals vorgestellt. Von PDS, Grünen und FDP kam prinzipielle Zustimmung, auch die SPD schien nicht abgeneigt. Die CDU wollte sich noch nicht äußern. Wenn die Mehrheit im Bezirk steht, könnten die Automaten bis Ende 2004 aufgestellt werden. Zwar muss auch die zum Land gehörende Straßenverkehrsbehörde das Konzept prüfen, aber die eigentliche Entscheidung ist Bezirkssache. Auch für die Tarife haben die Gutachter eine Empfehlung abgegeben: Am Potsdamer Platz soll es ein Euro pro halbe Stunde sein – montags bis sonnabends von 9 bis 20 Uhr. Sonst sollen werktags bis 19 Uhr und sonnabends zur Einkaufszeit die üblichen 50 Cent fällig werden. Gratis kann also nur noch nachts und am Sonntag geparkt werden.

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