Berlin : Die Perlensucher

Fahrrad-Stadtrundfahrten sind der beste Weg, Berlin zu entdecken. Vor allem Zugezogene wissen das Zwei von ihnen organisieren professionell auch Touren durch den Kiez – auf Wunsch mit Verpflegung

Daniela Martens

Radtouren brauchen eine Dramaturgie – zumindest, wenn man die Sache so wissenschaftlich angeht wie Ulrich Gries. „Einstieg, Höhepunkte und Abschluss müssen sorgfältig geplant werden“, sagt der Geograf, der Fahrrad-Stadtrundfahrten durch Berlin organisiert und gleichzeitig über kulturellen Tourismus promoviert. Die einzelnen Stationen verbinde er bei der Planung „wie Perlen auf einer Kette“.

Solch ein Höhepunkt kann die neue Hugo-Preuß-Brücke beim Hauptbahnhof sein – mit Blick auf Spreebogenpark, Kanzleramt und Reichstag. Oder aber ein versteckter Innenhof, den selbst Berliner sonst nicht gefunden hätten. Gries’ Firma „Zweitrad-Touren“ bietet neben den klassischen Stadtrundfahrten zu Berlins Sehenswürdigkeiten auch Kiez-Touren durch Prenzlauer Berg an.

Für den Geografen Gries besteht die Stadt aus konzentrischen Kreisen um Berlin-Mitte. Das sieht seine Geschäftspartnerin Sabine Jözwiak ganz anders: „In meinem Kopf gibt es immer noch die strikte Teilung in Ost und West.“ Das liegt daran, dass die heute 44-Jährige auf beiden Seiten der Mauer gelebt hat. 1982 kam sie aus Cottbus nach Ost-Berlin. Fünf Jahre später wurde ihr Ausreiseantrag aus der DDR bewilligt, und sie zog nach Lichterfelde. „Die zwei Jahre im eingekesselten West-Berlin, waren die freiesten meines Lebens“, sagt sie.

Über ihre unterschiedlichen Berlin- Wahrnehmungen philosophieren die beiden Rad-Unternehmer besonders gern. „Zugezogene interessieren sich meistens viel mehr für ihre neue Heimat“, sagt Gries. Auch der 37-Jährige ist so ein Zugezogener. Er kam vor zehn Jahren in die Stadt, stammt ursprünglich aus Münster. Seine Herkunft macht er verantwortlich für seine Fahrrad-Leidenschaft: „Das lag an der Nähe zu Holland, wo selbst der Bankdirektor im Anzug zur Arbeit radelt.“

Sich hauptsächlich auf zwei Rädern fortzubewegen, ist für Gries selbstverständlich. Ganz anders bei Sabine Jözwiak: Sie sei „an sich keine große Fahrradfahrerin“. Aber schließlich, sagt sie, gehe es bei den Touren nicht darum „Kilometer zu schrubben“, sondern um „den intelligentesten Weg, die Stadt richtig kennenzulernen“ – auch für Berliner. Und da ist Sabine Jözwiak inzwischen Fachfrau. Sie hat mit Gries einen Berlinführer geschrieben, der im BVA-Verlag erschienen ist. Titel: „Berlin per Rad entdecken“. Das tun die beiden praktisch täglich.

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