Berlin : Die Phantome des Hitmachers

Jack White hat die Hymne zur WM ’74 komponiert. Jetzt kommt der Remix von „Fußball ist unser Leben“

Sebastian Leber

Einen Live-Auftritt wird es nicht geben. Dafür sind die Sänger von damals heute viel zu beschäftigt. Uli Hoeneß als Bayern-Manager, Wolfgang Overath als Präsident vom 1. FC Köln, Franz Beckenbauer als WM-Organisator. Vielleicht hätte Berti Vogts Zeit, aber einer alleine wäre riskant. Denn mit Fußballern ist das wie mit Soldaten, sagt Jack White: „Wenn nur einer drauflos trällert, klingt’s gruselig. Wenn alle gleichzeitig singen, kriegt man eine Gänsehaut nach der anderen.“

Mit diesem Trick hat er vor 32 Jahren einen seiner größten Hits gelandet. Jack White, Berliner Musikproduzent mit Spezialgebiet Schlager, ist der Komponist der Stadion-Hymne „Fußball ist unser Leben“. Das Lied ließ er zur WM 1974 von der Deutschen Nationalmannschaft einsingen. Es wurde ein Evergreen, und Beckenbauer und Co. wurden Weltmeister im eigenen Land. Ab morgen steht „Fußball ist unser Leben“ wieder im Plattenladen. Als „Remix 2006“. Aufgepeppt mit mehr Schlagzeug und Bass, aber mit den Original-Stimmen. Und mit verkürztem Intro: „In der alten Version zog sich das ewig hin.“ Jetzt geht es gleich los mit dem berühmten Schlachtruf: „Ha! Ho! Heja heja he!“ Ob das neue Lied wieder nach oben in die Charts kommt? „Aber hallo!“, ruft Jack White überzeugt.

Eigentlich wollte der 65-Jährige ein ganz neues Stück einsingen lassen. Mit der aktuellen Nationalmannschaft. Deshalb hat er schon vor anderthalb Jahren Franz Beckenbauer in seinem Haus in Kitzbühel besucht. „Du Franz, warum sollen wir nicht wiederholen, was damals so erfolgreich war?“ Beckenbauer ist mit White gut befreundet, seit den Aufnahmen im Tonstudio. Er fand die Idee gut. Leider war Jürgen Klinsmann dagegen. Es wird nicht gesungen, entschied der Bundestrainer. „Ich verstehe bis heute nicht, warum er das nicht wollte. Aber ich verstehe ja vieles nicht, was der Klinsmann so macht.“ White hält Jürgen Klinsmann nicht für den allerbesten Trainer, aber das ist ein anderes Thema. Beim DFB heißt es nur, dass es „ein halbes Dutzend Anfragen“ von deutschen Musikproduzenten für Aufnahmen mit der Nationalmannschaft gegeben habe. Und dass hausintern früh klar war, dass es keinen offiziellen DFB-Song gibt. Das sei nämlich sehr zeitaufwändig, wenn es denn gut werden soll.

Egal. Dann eben der Remix von „Fußball ist unser Leben“. Dem „absoluten Kult-Hit“, wie Jack White sagt. Zuerst wird das Lied als Single veröffentlicht, dann Ende März noch mal als Teil eines ganzen Albums. Da singen auch verschiedene Gastmusiker mit: „Udo Jürgens, DJ Ötzi und, und, und“. Jack White kennt sie alle persönlich, schließlich ist er schon seit vier Jahrzehnten im Geschäft. Eigentlich heißt er Horst Nussbaum, aber sein Künstlername macht mehr her. Jack White, passend zu Roy Black. Den hat er leider nie produziert, dafür aber Tony Marshall und Vicky Leandros. Für David Hasselhoffs „Looking for freedom“ ist er auch verantwortlich. Und für hundert andere Stücke, viele mit malerischen Namen wie „Ich hab Dir nie den Himmel versprochen“ oder „Schmetterlinge können nicht weinen“. In seinem Büro in der Uhlandstraße blitzt es nur so vor lauter Goldenen Schallplatten.

Durch den Remix und das Album werden sicher noch welche hinzukommen – auch ohne werbewirksamen Live-Auftritt. Immerhin gibt es ein Musikvideo, auf dem die Weltmeister von ’74 mit langen Koteletten und Seitenscheiteln zu sehen sind. Alleine deswegen muss man White dankbar für den Remix sein.

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