Berlin : Die Phantomkosten der U5

Die Bahn wird nicht gebaut, der Tunnel aber kostet weiter Geld

Es bleibt ein Ende mit Schrecken: An der U-Bahn-Linie U 5, die der Senat nicht weiterbauen will, werden noch mehrere Millionen Euro verbaut, ehe die Arbeiten – wie bereits vor Jahren beschlossen – eingestellt werden können. Am künftigen Hauptbahnhof müssen noch etwa 160 Meter Tunnel gebaut werden. Damit stecken dann für die U 5 mehr als 250 Millionen Euro in der Erde – ohne Nutzen für die Fahrgäste. Jährlich kommen Unterhaltungskosten von weit mehr als 100 000 Euro hinzu.

Der U-Bahn-Tunnel muss weitergebaut werden, weil unter dem Hauptbahnhof die Tunnelbauten für Fernbahn, U-Bahn und die Bundesstraße B 96 gemeinsam erstellt werden. Den Gesamtauftrag hat die Bahn übernommen. Die letzten Lücken dort werden jetzt geschlossen. Dies ist erst seit dem Abriss des alten Lehrter Stadtbahnhofes der S-Bahn möglich geworden, der im vergangenen Jahr verschwunden ist. Wo er stand, wird jetzt die letzte Baugrube für die Tunnel ausgehoben.

Nördlich und südlich davon sind alle Röhren im Rohbau fertig, nur die Zwischenstücke fehlen jeweils. Der Straßentunnel für die B 96, der die frühere Entlastungsstraße ersetzen soll, könnte dann Ende 2004 eröffnet werden, durch den Fernbahntunnel sollen die ersten Züge Mitte 2006 rollen – nur der fertige U-Bahn-Tunnel wird dann ungenutzt bleiben. Inzwischen suchen, wie berichtet, BVG und TÜV Rheinland-Berlin-Brandenburg nach einer Zwischenlösung für den Tunnelstumpf zwischen Hauptbahnhof und Pariser Platz. Um bei Staatsbesuchen, die durchs Brandenburger Tor wollen, die Sicherheit zu gewährleisten, ist in der Röhre darunter bereits ein Gitter eingebaut worden. Für den TÜV-Experten Rolf-Martin Müller sieht in dem ungenutzten Tunnel eine riesige volkswirtschaftliche Verschwendung. Ihm schwebt vor, eine U-Bahn im automatischen Betrieb in dem Tunnelstück zwischen Hauptbahnhof und Pariser Platz fahren zu lassen. Von Ideen der BVG, durch den Tunnel einen Bus oder gar eine Straßenbahn fahren zu lassen, hält Müller nichts. Infrage kommt für ihn nur eine U-Bahn. Am Hauptbahnhof gibt es eine so genannte Materialeinlass-Öffnung, durch die die Wagen in den Tunnel gehievt werden könnten. Problemlos fahren könnten die Züge aber nur auf dem kurzen, verkehrlich unbedeutenden Abschnitt vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Reichstag vor dem Löbe-Haus. Unter dem Pariser Platz fehlt ein Bahnhof. Die Röhren enden dort vor einer Wand, hinter der einmal der Bahnhof gebaut werden soll. Bis zum S-Bahnhof Unter den Linden klafft eine Lücke von knapp 15 Metern. Bis dahin müsste bei einer sinnvollen Nutzung des Tunnels eine Verbindung gebaut werden.

Optimal wäre dagegen, wenn man jetzt nicht nur am nördlichen Ende unter dem Hauptbahnhof weiterbauen würde, sondern auch am Pariser Platz. Der Bahnhof dort würde jedoch knapp 50 Millionen Euro kosten. Und Stadtentwicklungssenator Strieder (SPD) hat vorgegeben, dass die Zwischennutzung des Tunnels zu keinen Mehrkosten führen dürfe.

Ohne Verkehr im Tunnel muss Berlin allerdings wahrscheinlich rund 160 Millionen Euro an den Bund zurückzahlen, die dieser für die U 5 vorfinanziert hat. So fordert es zumindest der Bundesrechnungshof. Damit wäre mehr Geld verloren, als der Bau des Bahnhofs kosten würde. Den wiederum würde zum größten Teil der Bund finanzieren. Klaus Kurpjuweit

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