Berlin : Die Piste frei!

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad bedauert

zu wenige Demonstrationen im Winter

Demo-mäßig ist der Winter ausgesprochen trist, daran kann auch der unerwartete Aufschwung des Karnevalwesens in dieser Stadt nichts ändern. Wir dürfen also dankbar sein, dass mit dem Frühling auch die kunterbunte Normalität auf unseren Straßen sich einstellt. Die Skater-Demonstration am gestrigen Nachmittag gab einen ersten Vorgeschmack auf die vielfältigen Formen, mit denen private Meinung bald schon wieder auf der Bühne des Asphalts zur öffentlichen wird. Stellen wir den 1. Mai und die damit verbundenen Aktivitäten dabei zurück, bei allzu vielen Teilnehmern erfüllen sie mehr den Zweck eines Abenteuerurlaubs, für den man anderswo viel Geld hinblättert, und hier in Berlin gibt es das umsonst. Aber der Karneval der Kulturen, der Christopher Street Day, die Love Parade, der Berlin Marathon, all die zum Zwecke des Frohsinns organisierten Umzüge, sodann die Treckerparaden des Landvolks, die Aufmärsche der Politgruppierungen jeglicher Couleur – so eintönig uns das Straßenleben gerade noch erscheinen musste, so unterhaltsam wird es in den kommenden Monaten. Schön ist dieses jahreszeitlich bedingte Ungleichgewicht freilich nicht. Ideen sind gefragt, wie man auch zur Winterszeit die Straßen beleben könnte. Erstaunlich beispielsweise, dass die Ski-Enthusiasten, die endlos lange Strecken bis zur nächsten Piste auf sich nehmen, nicht längst die Berliner Straßen für sich reklamieren. Was den Skatern recht ist, sollte den Wintersportlern nur billig sein. Man sage nicht, hier gebe es zu wenig Schnee. Mit diesem Argument hätte man angesichts der Klimaerwärmung manches Skigebiet schließen müssen. Also, unsere erste Forderung an die neue Verkehrssenatorin: Schneekanonen für Berlin – und Unter den Linden wird zur Loipe!

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