Die Politik und ihre Gesichter : Wowereit, Künast und Co: Wie Zeit und Macht wirken

Klaus Wowereit hat sich in den zehn Jahren seiner Amtszeit verändert. Auch Renate Künast ist nicht mehr ganz die Alte - weil Politik auch in die Gesichter verändert. Von der Physiognomie der Verantwortung.

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Zehn Jahre Amtszeit haben bereits Spuren im Gesicht von Klaus Wowereit hinterlassen. Wir haben in die Vergangenheit geschaut - und in die Zukunft.Weitere Bilder anzeigen
16.06.2011 22:08Zehn Jahre Amtszeit haben bereits Spuren im Gesicht von Klaus Wowereit hinterlassen. Wir haben in die Vergangenheit geschaut - und...

Macht macht grau. Ohnmacht auch. Und erst recht das ständige Schwanken zwischen den beiden Polen. Deshalb hat sich Klaus Wowereit in den zehn Jahren seiner Amtszeit ebenso verändert wie seine aktuelle Kontrahentin Renate Künast, die diese Jahre zur Hälfte als Ministerin und als Fraktionsvorsitzende in der Opposition verbracht hat. Harald Wolf von der Linken hatte erst knapp neun Jahre als Senator und Bürgermeister zu schultern, Frank Henkel, der CDU-Spitzenkandidat, konnte sich als Jüngster der Vierergruppe und Nur-Abgeordneter noch vergleichsweise frisch halten. Dennoch: Unsere Gegenüberstellung der Bilder von einst und jetzt zeigt den Zahn der Zeit beim Nagen. Klaus Wowereit ist dekorativ und ebenmäßig ergraut, doch ohne jegliche Spur vom Schwund, der seinem Vorgänger Walter Momper zusetzte. Ähnlich wie jener scheint er über die Jahre ein wenig zugelegt zu haben, vielleicht das Resultat der sahnigen, selbst zubereiteten Charlotte Lorraine. Die einst nur zum Lachen auf schmal gesetzten Lider machen es sich nun dauerhaft in dieser Position gemütlich.

Bei Renate Künast scheinen die Spuren von Arbeit und Leben dagegen eher ins Gesicht eingegraben: Die vor zehn Jahren noch eher rudimentären Magenfalten haben sich parallel zu den Umfrageergebnissen der Grünen entwickelt. Auch um die Augen herum hat mancher Grundsatzkonflikt tiefe Kerben hinterlassen. Haare?

Kratzbürstig wie immer, übers Gröbste hinweggesträhnt. Harald Wolf tut es optisch seinem Regierungschef nach, ohne aber nur entfernt dessen jugendliche Haarfülle zu erreichen. Bei aller Ergrauung hat aber auch er den Haarpegel auf niedrigerem Niveau recht konstant halten können; weitere Details verdeckt die Brille, die mit dem Wandel von rund zu eckig in gewisser Weise auch die Stimmungslage seiner Partei symbolisiert.

Und Frank Henkel? Ist so, wie er ist. Vom Referenten kaum merklich zum Abteilungsleiter gereift, dabei aber dem einmal gefundenen Brillentypus dauerhaft treu. Die großen Niederlagen stehen womöglich erst bevor, haben noch keine Kerben ins Gesicht schnitzen können. Komm du erst mal in unser Alter!, scheinen ihm die Kollegen zuzurufen. Dass auch bei ihm die Lippen heute geschlossener, verbissener wirken als vor zehn Jahren, ist dennoch sicher kein Zufall.

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