Berlin : Die Polizei tut sich schwer mit dem neuen Computersystem

Anfangsprobleme oder Geldverschwendung: Innenausschuss diskutierte über „Poliks“

Tanja Buntrock

Die Stimmung unter den Berliner Polizeibeamten ist schlecht, seitdem im April das neue Computersystem „Poliks“ in der Behörde für 73 Millionen Euro eingeführt wurde. Das „Polizeiliche Landessystem zur Information, Kommunikation und Sachbearbeitung“ – wie der sperrige Name der neuen EDV offiziell lautet – kostet viel mehr Zeit, beschäftigt Mitarbeiter und verkompliziert die Arbeitsvorgänge: So etwa beschreiben die Beamten ihre Sorgen.

Am Montag hat sich der Innenausschuss mit den „Mängeln an Poliks“ befasst. Stellvertretend für Innensenator Ehrhart Körting (SPD) stand sein Staatssekretär Ulrich Freise zusammen mit Dieter Glietsch den innenpolitischen Experten der Fraktionen Rede und Antwort.

Kritisiert wurde, dass ganze Fälle verschwunden seien: Das heißt die Einzelheiten – Skizzen, Fotos und Namen von Tätern – sind ganz normal in den Computer eingegeben worden, doch die Übertragung auf den Poliks-Server schlug fehl. Erst wenn die Sachbearbeiter den Fall ergänzen wollten, hätten sie plötzlich gemerkt, dass die elektronischen Unterlagen nicht mehr da sind. „Die Polizeiführung hat die Probleme bestätigt und mit Anfangsschwierigkeiten begründet“, sagte der Vorsitzende des Innenausschusses, Peter Trapp (CDU). Auch die Kritik, dass die Eingabe eines Verkehrsunfalls im System viermal so lange dauert wie zuvor, bestritt der Staatssekretär nicht. Bislang seien die Beamten daran gewöhnt gewesen, Unfälle ausschließlich anhand von Papier-Formularen zu bearbeiten. Nun läuft dies über Poliks, aber viele Beamte beherrschten die einzelnen Arbeitsschritte noch nicht.

„Kein Wunder. Während der Schulung haben die Beamten teilweise mit ganz anderen Software-Versionen gearbeitet“, sagte Werner Thronicker von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) dem Tagesspiegel. Die Unzufriedenheit über die neue EDV sei so groß, dass ein Kollege am Computer einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte und ins Krankenhaus gebracht werden musste. „Bei der Einführung eines derart neuen Systems gib es immer Reibungsverluste“, verteidigte die Polizei die Kritik an der EDV. Allerdings habe man darauf sofort reagiert und viele Mängel innerhalb weniger Wochen beseitigt.

„Wir werden jetzt einige Monate abwarten und schauen, wie sich Poliks entwickelt“, sagte Trapp. Lediglich der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Ratzmann, kritisiert das neue System im Ganzen. Er hält dem Senat vor, dass viel Geld für ein mangelhaftes System ausgegeben worden sei, anstatt funktionierende Programme anderer Bundesländer zu übernehmen.

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