Die Promille-Affäre : Grünlich

Ulrich Zawatka-Gerlach entdeckt interessante Seiten an der Künast-Partei. Aber wenigstens hat die Partei des gerechten Zorns und erhobenen Zeigefingers einen guten Sinn fürs Timing.

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Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung. Ein blöder Kalauer, zugegeben, aber die Grünen dürfen sich nicht beschweren, dass man über sie lacht. Eine Öko-Partei, deren Wahlkampfleiter sich auf keinen Fall vom Autofahren abhalten lässt. Eine Spitzenkandidatin, die normalerweise nicht auf den Mund gefallen ist, aber in eigener Sache höchst einsilbig wird. Ein Moralapostel-Verband, der von allen und zu jeder Zeit Transparenz fordert, aber um die eigene Promille-Affäre eine Mauer des Schweigens baute.

Mit einem Tag Verspätung wurde nachgereicht, das habe arbeitsrechtliche Gründe. Mag ja sein. Das hätte der Grünen-Vorstand aber auch sofort sagen können, ohne dass ihm ein Zacken aus der Krone gefallen wäre. Immerhin wurde der vakante Posten zügig neu besetzt. In der jüngsten Presseerklärung fanden sich sogar, mithilfe einer Leselupe, dreieinhalb kritische Zeilen über schwerwiegende Vorwürfe gegen den Ex-Funktionär André Stephan.

Nichts Konkretes, warum denn auch. Der große Rest des immergrünen Bulletins war eine rosawolkige Eloge auf den neuen Wahlkampfleiter Heiko Thomas. Wenigstens hat die Partei des gerechten Zorns und erhobenen Zeigefingers einen guten Sinn fürs Timing. Die Sommerferien können nun alle Widrigkeiten gnädig überdecken.

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