Berlin : Die Putzfrau als Räuberin vor Gericht

53-Jährige bestreitet Beteiligung an Überfall

Kerstin Gehrke

Die Putzfrau kam auf Empfehlung einer guten Bekannten. Und sie machte ihre Arbeit gut, war stets freundlich und zuverlässig. Bis Halmiya M. unter einer Kommode im Flur des Einfamilienhauses zwei mit Geldscheinen gefüllte Briefumschläge und Schmuck entdeckte. Von diesem Zeitpunkt an soll sie die treibende Kraft eines Raubüberfalls gewesen sein. Seit gestern sitzt die 53-jährige M. aus Bulgarien gemeinsam mit ihrer 34-jährigen Tochter und zwei Türken vor Gericht.

Die grauhaarige Halmiya M. sprach mit energischer Stimme. „Ich habe den anderen gesagt, dass da kein Geld ist.“ Sie zeigte auf den Mitangeklagten Cengiz D., der sie gerade als Komplizin des Überfalls bezichtigt hatte. „Er hatte von einer anderen Frau erfahren, dass da was versteckt ist“, behauptete sie. Als die Räuber dann in dem Reinickendorfer Haus eines Autohändlers waren, will sie entsetzt weggerannt sein. Kurze Zeit später sei sie in das Auto der Gangster gestiegen, aber nur, weil „die eine Waffe hatten“. Als die Beute geteilt wurde, will sie erklärt haben: „Ich nehme kein Geld.“

Eine Geschichte, die nach Angaben der beiden mitangeklagten Männer nur in Bruchteilen der Wahrheit entspricht. Halmiya M. habe von viel Geld in einem Versteck gesprochen. In einem Café habe man gemeinsam die Sache besprochen. „Ich halte die Tür auf, wenn ihr kommt“, soll die Putzfrau angekündigt haben. Laut Anklage hatte die Tochter den 39-jährigen Cengiz D. als Mittäter angeworben, der wiederum den 30-jährigen Yücel T. anheuerte.

Am 8. November letzten Jahres vergewisserte sich Halmiya M. laut Anklage, dass unter der Kommode wieder dicke Briefumschläge versteckt waren. In einem Umschlag befanden sich 13 500 Euro, im anderen 35 000 Euro. Geld, das der Autohändler am Vorabend nicht mehr zur Bank bringen konnte. In der Kommode befanden sich Goldschmuck und -münzen im Gesamtwert von rund 10 000 Euro. Da informierte sie den Ermittlungen zufolge ihre Komplizen, die wenig später an der Haustür klingelten.

„Ist Ihr Mann da?“, wollten die Männer von der Hausherrin wissen. Als sie verneinte, wurde sie ins Haus gestoßen. Cengiz D. hielt ihr den Mund zu, brachte sie zu Boden. T. zog einen Schreckschussrevolver. Mit verklebtem Mund und gefesselt wurde die Frau schließlich im Keller des Hauses eingesperrt. Wenig später saßen die vier Angeklagten in einem Fiat und fuhren Richtung Nürnberg, wo die Beute geteilt wurde.

Die Putzfrau, die sich illegal in Deutschland aufhielt, wurde Ende Februar in ihrer Heimat verhaftet. Auch ihre Tochter sitzt seither in Untersuchungshaft. Bei Geständnissen hatte das Gericht Haftstrafen im Bereich von vier Jahren in Aussicht gestellt. Ob Halmiya M. bei ihrer Version bleibt, wird sich am 3. August entscheiden. Kerstin Gehrke

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