Berlin : Die Qual, ausgeliefert zu sein Was in den Geiseln vorgeht

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Zumindest körperlich sind die neun Geiseln, die am Sonntag in dem gekaperten Bus saßen, unversehrt davongekommen. Welchen seelischen Schaden sie erlitten haben, werden die acht Fahrgäste und der Busfahrer wohl erst nach und nach merken. Gerade bei den drei Kindern im Alter von 6, 8 und 9 Jahren, die der Geiselnehmer mit ihren Eltern vorzeitig aussteigen ließ, sind unterschiedliche Folgen möglich, weiß der Psychologe Karl Mollenhauer: Einerseits ist es für sie ebenso wie für Erwachsene eine Belastung, einem Geiselnehmer ausgeliefert zu sein. Andererseits würden Kinder solche Situationen manchmal als „großes Abenteuer“ erleben – zumindest, wenn sie so glimpflich ausgehen wie am Sonntag. Mollenhauer leitet den Psychologischen Dienst der Polizei. Er und seine Mitarbeiter sprechen nach Geiselnahmen mit den Opfern über das Erlebte, um posttraumatischen Belastungsreaktionen entgegenzuwirken: Schlaf oder Essstörungen, Depressionen, Albträume, wiederkehrende Erinnerungen an die Geiselnahme. Das Schlimmste für viele Geiseln ist, dass sie sich in der Gewalt des Täters ohnmächtig fühlen: „Nicht mehr selbst über seine Lage bestimmen zu können, ist außerordentlich belastend und kann lange nachwirken.“ Das Wichtigste sei, so schnell wie möglich wieder in den Alltag zurückzukehren, wieder sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Oft dauere es dennoch Wochen, bis befreite Geiseln das Erlebte verarbeitet haben. lvt

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