Berlin : Die Queen in Berlin: Ihre Majestät geht online

A. Kögel,W. Schmidt

Premiere für die Queen: Bei ihrem fünften Besuch in Berlin wird Königin Elizabeth II. heute erstmals eine britische Botschaft eröffnen. Die Königin kam am Montag gegen 17.45 Uhr auf dem Flughafen Tegel an. Sie wird gemeinsam mit ihrem Mann, Prinz Philip, und neun Mitarbeitern des königlichen Stabs bis heute Abend in der Stadt bleiben. Im British Council will sie sich auch das Infocenter mit Computern zeigen lassen. Die Polizei sichert den Besuch anlässlich der Eröffnung der britischen Botschaft mit 500 Beamten. In Berlin sind leben 8400 Briten.

Nach Clinton und Chatami erlebt die Stadt ein weiteres Großereignis: Besuch vom britischen Königshaus. Noch am Montagabend waren die Königin und ihr Mann mit Bundeskanzler Schröder und seiner Frau zu einem privaten Dinner in der Residenz des britischen Botschafters, Sir Paul Lever, verabredet - in der Grunewalder Villa hat die Queen auch die Nacht verbracht. Während ihres Besuchs wird sie von ihrer "Lady in Waiting", der Hofdame begleitet; Prinz Philip steht ein persönlicher Diener, "Equerry", zur Seite. Im Gepäck hat die Queen auch ihren eigenen Teekessel.

Anlässlich des Besuchs sind Queenfans aus ganz Deutschland mit Bussen angereist. Elizabeth II. soll gegen 10.20 Uhr am neuen Botschaftsgebäude in der Wilhelmstraße 70 nahe des Brandenburger Tores eintreffen, 350 Gäste sind geladen. Gegen 12.45 Uhr hält die königliche Kolonne am Schloss Bellevue, die Queen isst mit dem Bundespräsidenten zu Mittag. Zehn Minuten vor drei nimmt sie am Osteingang des Reichstagsgebäudes laut Protokoll ein "Bad in der Menge". Nach der Besichtigung steht ein Besuch beim British Council am Hackeschen Markt auf dem Programm. Dort wird sie 24 deutsche und britische Jugendliche treffen - und auch das Computer-Angebot des britischen Kulturinstituts zeigen lassen. Elizabeth II. hat schon viele Mouseklicks absolviert - nicht zuletzt auf der Homepage des Buckingham Palace. Das ZDF überträgt den Besuch der Queen in Berlin live.

Martin Löer, früher stellvertretender Berliner Protokollchef und heute erster Mann bei Staatsbesuchen in Brandenburg, hat die Queen persönlich kennengelernt - 1987 bei der 750-Jahr-Feier der Stadt: "Sie ist viel charmanter und lockerer, als das Fernsehen den Eindruck erweckt." Gestern bat ihn eine Anruferin um Rat zur Hut-Etikette beim Queen-Meeting. Der Tip des Zeremonienmeisters: "Kein Wagenrad aufsetzen, damit man nicht die Sicht behindert, und auf keinen Fall die Queen mit Hut übertrumpfen."

Als die Queen am 28. Mai 1965 nach dem US-Präsidenten Kennedy als zweite Vertreterin der Alliierten nach Kriegsende vorbei an 1,2 Millionen Schaulustigen gefahren wurde, schien sie "besondere Freude an der berittenen Polizei gehabt zu haben", bemerkte der Berichterstatter dieses Blattes damals. Im Gegensatz zu den Besuchen Clintons und Chatamis wird es während ihres Kurzaufenthaltes deutlich weniger Absperrungen geben: "Wir wollen ja, dass die Bevölkerung kommt", so Einsatzleiter Ulrich Hauck von der Polizeidirektion 3. Für den Staatsschutz rangiert der Besuch auf einer so niedrige Stufe, dass noch nicht einmal eine Gefährdungsanalyse angefertigt wurde. Die Monarchin bringt eigene Leibwächter mit, 500 Beamte schützen sie vor allzu begeisteren Fans. Die Polizei befürchtet, dass Schaulustige über die Absperrgitter springen, um ihr noch näher sein.

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