Berlin : Die Rechnung fürs Parken geht aufs Handy

Pankow testet neues SMS-Bezahlsystem mit mehr Komfort für Autofahrer Parkzonen im Bötzowviertel, um den Arnimplatz und im Barnimkiez geplant.

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Smartes Inkasso. Foto: Heinrich / tsp
Smartes Inkasso.Foto: Heinrich / tsp

Möglich war es schon bisher, aber jetzt soll es endlich einfacher werden: Parken mit dem Handy als virtuelle Geldbörse. Das Bezirksamt Pankow hat in den Parkzonen von Prenzlauer Berg ein entsprechendes Pilotprojekt gestartet. Seit einer Woche müssen sich Autofahrer nicht mehr vorab registrieren lassen, um per SMS ihre Parkgebühr bezahlen zu können. Es reicht nun, das Autokennzeichen zusammen mit der gewünschten Parkdauer an eine Telefonnummer zu senden, die am Parkautomaten angegeben ist.

In der ersten Woche hätten schon 250 Nutzer den neuen Service „sms&park“ ausprobiert, sagt Torsten Kühne (CDU), Stadtrat für Umwelt und Bürgerservice. Bei den bisherigen SMS-Bezahlsystemen, die in Berlin seit 2005 angeboten werden, sei die Resonanz viel schwächer gewesen. Der neue Anbieter, das Erlanger Unternehmen Sunhill Technologies, ist bereits in vielen westdeutschen Städten und im Ausland präsent. Das Projekt in Pankow soll nun helfen, den Berliner Markt zu erobern. Auf den Bezirk kommen laut Sunhill-Geschäftsführer Matthias Mandelkow zunächst keine zusätzlichen Kosten zu. Stadtrat Kühne erhofft langfristig sogar Einsparungen, etwa durch weniger Automaten.

Kühne möchte mit dem neuen Service die Akzeptanz für die Parkzonen erhöhen, weil das lästige Kramen nach Münzen wegfällt. Eine echte Verbesserung gibt es beim Verlängern der Parkzeit: Zehn Minuten vor deren Ablauf erscheint auf dem Handy eine Erinnerungs-SMS. Nun kann man entweder zurück zum Auto spurten oder eine weitere Stunde bezahlen. Abgerechnet wird grundsätzlich über die Telefonrechnung des Netzanbieters.

Aufwendiger wird zunächst die Kontrolle der Parkzone durch die Ordnungsämter. Denn ein fehlender Parkschein hinter der Frontscheibe muss nun nicht mehr bedeuten, dass der Fahrer nicht bezahlt hat. Die Kontrolleure müssen sich auf ihrem Handy in die Datenbank des Anbieters einloggen und können dort die Bezahlvorgänge einsehen. Später sollen diese Abfragen aber vereinfacht und beschleunigt werden.

Pankow will spätestens 2013 seine Parkraumbewirtschaftung ausweiten. Für das Bötzowviertel und die Quartiere um Arnimplatz und Humannplatz wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Danach leiden die Gebiete unter den bestehenden, lückenhaften Parkzonen: Während dort 20 Prozent weniger parkende Autos gezählt werden, seien die Zahlen in den angrenzenden Gebieten gestiegen. „Ein Viertel der Autos, die nicht mehr in der Parkzone parken, weicht ins Bötzowviertel aus“, sagt Kühne.

Im ersten Quartal 2012 sollen die Bezirksverordneten über die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung abstimmen, ein Jahr später könnten die neuen Zonen dann eingeführt werden. „Der Auftrag für die 400 benötigten neuen Automaten muss europaweit ausgeschrieben werden“, sagt Kühne, „ebenso deren Wartung“. Auch neue Mitarbeiter müssten eingestellt und geschult werden.

Weiter südöstlich, im Friedrichshainer Barnimkiez, könnte parallel dazu eine weitere Parkzone ausgewiesen werden. Eine Machbarkeitstudie gebe es auch hier, mit ähnlichem Resultat wie im Bötzowviertel, sagt der zuständige Stadtrat Hans Panhoff (Grüne). Auch zwischen Ostbahnhof und Ostkreuz sei eine Parkraumzone in Vorbereitung. Von der ursprünglichen Idee, das gesamte Gebiet zu bewirtschaften, sei man allerdings wieder abgekommen. Relativ sicher ist nur, dass rund um den Boxhagener Platz eine „Sonderzone“ mit einer erhöhten Gebühr von drei Euro pro Stunde eingeführt werden soll. In Prenzlauer Berg müssen Autofahrer an der Max-Schmeling-Halle drei Euro zahlen. Sonst sind zwei oder ein Euro pro Stunde fällig.

Panhoff kennt die vereinfachte SMS-Bezahltechnik noch nicht, er stehe einer solchen Lösung aber aufgeschlossen gegenüber, erklärte er.

Der Nachbar Neukölln, in dessen an Kreuzberg grenzenden Straßenzügen sich ein Ausgeh- und Galerienviertel entwickelt, hat auch in Zukunft nicht vor, Geld fürs Parken zu nehmen. „Damit beschäftigen wir uns gedanklich überhaupt nicht“, sagt Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). „In den schicken Kreuzköllner Gegenden haben viele gar kein Auto. Die haben eher ein schönes Fahrrad. Hohen Parkdruck gibt es bei uns nicht.“

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