Berlin : Die Rechte der Radler

Polizei belehrte unaufmerksame Autofahrer

Stefan Jacobs

Der Mann am Steuer des Toyota hat keine Idee, warum die Polizei ihn stoppt. „Wir machen hier eine Verkehrskontrolle“, hebt der Beamte am Autofenster an. Es gehe um rücksichtsvolles Miteinander im Verkehr. Er sei gerade rechts abgebogen, ohne auf den geradeaus führenden Radweg zu achten. Da hat die Kollegin schon die nächsten drei Fahrer gestoppt, die sich nicht umgeschaut oder den Radweg blockiert haben. Weil viele Autofahrer bekanntermaßen schlecht auf Radler zu sprechen sind, nehmen ihnen die Beamten gleich bei der Begrüßung die Munition: Man wisse ja, dass viele Radfahrer sich nicht an die Verkehrsregeln hielten, sagen sie oft vorsorglich, bevor sie die Autofahrer auf ihr eigenes Fehlverhalten aufmerksam machen.

Mit 27 Beamten ist die Polizei an der Kreuzung von Brunsbütteler Damm, Ruhlebener und Klosterstraße in Spandau angerückt. 2004 überfuhr genau da, wo gerade der Toyota abgebogen ist, ein Lkw einen Radler. Im vorigen Jahr rammte ein Rechtsabbieger eine junge Frau, verletzte sie schwer. Es war einer von 628 solchen Fällen in Berlin. Gründe genug für eine der Kontrollen, die die Polizei Ende März gestartet hat. „Der absolute Schwerpunkt liegt bei falschem Abbiegen“, hatte Wolfgang Klang, Direktor der Berliner Verkehrspolizei, vorab angekündigt. „Es geht um den Schutz der Radfahrer“, bestätigt ein Polizeisprecher, der jetzt dabei ist.

Und auch die werden kontrolliert. Die einen müssen versprechen, ihre kaputten Rücklichter zu reparieren, den anderen werden Reflektoren an die Speichen geklemmt. Bei dem blonden Jüngling, den sie soeben vom Rad geholt haben, brauchen sie etwas länger: keine Reflektoren, keine Klingel, kein Licht. „Wenigstens funktionieren die Bremsen“, sagen sie. Nach zwei Stunden haben sie an den drei Kontrollstellen 162 Räder geprüft und rund ein Drittel „leicht beanstandet“. Fast alle Radler reagierten verständnisvoll.

Schräg gegenüber stauen sich noch immer die Auto-Sünder. Männer, Frauen, Taxifahrer, Rentner. „Ich bin ja einigermaßen entsetzt, dass es so viele sind“, sagt eine Beamtin. 88 Autofahrer wurden in Spandau angehalten – und 892 in der ganzen Stadt. Bis nächsten Mittwoch soll weiter kontrolliert werden.

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