Berlin : Die rechte Hand des Kardinals

Als neuer Generalvikar soll Ronald Rother Berlins Katholiken den Sparkurs nahe bringen

Claudia Keller

Mit ihm soll alles besser werden: Pfarrer Ronald Rother ist ab dem morgigen Freitag der neue zweite Mann im Berliner Erzbistum. Indem er Peter Wehr als Generalvikar und damit als obersten Verwaltungschef und rechte Hand von Erzbischof Georg Sterzinsky ablöst, übernimmt er eine der schwierigsten Aufgaben in ganz Berlin. Denn er muss den harten Sparkurs weiterverfolgen. Peter Wehr, der die hohe Verschuldung der Katholischen Kirche vor anderthalb Jahren öffentlich machte und die Sanierung eingeleitet hat, wechselt als Auslandsseelsorger nach Washington D.C.

Die meisten Gemeindefusionen sind zwar abgeschlossen, aber bis ins nächste Jahrzehnt wird es dauern, bis die Schulden abgetragen sind. Der neue Generalvikar muss einen zweiten Sanierungsplan aufstellen, der zu weiteren schmerzhaften Einschnitten zwingen wird. Dabei wird er vermutlich die Erfahrungen gut brauchen können, die er vor Jahrzehnten als Mitarbeiter in einem Finanzamt gesammelt hat. Außerdem weiß Rother, worauf er sich einlässt. Die vergangenen Jahre hat er zwar als Dekan in Fürstenwalde zugebracht, aber als Mitglied in den entscheidenden Steuerungsgremien des Bistums hat er die Sparbeschlüsse mitgetragen.

Weil er jahrelang Pfarrer und oberster Jugendseelsorger in Berlin war, erhoffen sich Mitarbeiter und Pfarrer vor allem eines: dass er mit ihnen kommuniziert. In den vergangenen zwölf Monaten wurde oft kritisiert, dass Erzbischof Sterzinsky seine Entscheidungen den Gläubigen und den Pfarrern nicht vermitteln konnte oder sich auch gar nicht die Mühe machte und dadurch viel Vertrauen verspielte.

„Wir wünschen uns sehr, dass Rother mit uns spricht und das, was kommt, durchschaubar macht“, sagt Bernhard Motter, Pfarrer in St. Clara und Sprecher des Priesterrates. „Schon vor einem Jahr wurde uns mehr Transparenz versprochen“, sagt Andreas Jaster, der oberste Mitarbeitervertreter im Bistum, „getan hat sich nichts“. Jetzt seien die Mitarbeiter sehr verunsichert. Ein Drittel der Gekündigten hätte immer noch Arbeitsgerichtsprozesse laufen. Diejenigen, die bei der ersten Sparrunde nicht entlassen wurden, hatten sich schon sicher gefühlt. Mit der Ankündigung einer weiteren Sparrunde herrsche nun wieder Angst. Jaster fordert, dass Rother möglichst schnell erkläre, wie das Bistum endgültig, nach allen Kürzungen aufgestellt sein wird und welche Leistungen man aufgeben muss. Nur durch mehr Offenheit könne die Bistumsleitung das zerstöre Vertrauen der Mitarbeiter zurückgewinnen.

„Auch in den Gemeinden wäre ein Aufbruch dringend nötig“, sagen Motter und Hans-Jürgen van Schewick, der die Laien im Bistum vertritt. „Wir brauchen dringend jemanden, der die Leute mitreißen kann und auch die pastorale Entwicklung im Blick hat“, meint van Schewick.

„Entscheidungen müssen so erklärt werden, dass sie weitgehend akzeptiert werden können, und sie müssen rechtzeitig erklärt werden“, sagte Rother. Für die Menschen müsse verständlich sein, was vorgehe. Aber letztlich entscheide nicht er, sondern der Bischof. „Durch den Wechsel des Generalvikars ist das Führungsproblem im Berliner Bistum aber nicht gelöst“, meint Andreas Jaster. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine. In der Bischofskonferenz gibt es immer mehr, die einen Rücktritt von Kardinal Sterzinsky sehr begrüßen würden.

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