Berlin : Die Reinbeckhallen in Oberschöneweide müssen schließen

Träger des Kulturtreffs meldet Insolvenz an

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Keine Konzerte mehr, keine Ausstellungen, keine Filme: Die Reinbeckhallen schließen ihre Pforten. Der Kulturtreff in den alten Industriegemäuern nahe der Wilhelminenhofstraße hat nach vier Jahren ausgedient. Doch das Ende kommt früher als gedacht. Denn die KichBauhof GmbH als Träger des „Kulturwerks Oberschöneweide“ meldete im September Insolvenz an, berichtet Bernd Moltzan, Chef des Kulturwerks. „Wir können die Miete für die Hallen – monatlich 1700 Euro – nicht mehr aufbringen“, sagt der Mitarbeiter.

Gestern endete die letzte Ausstellung, das Kunstfestival „Helden der Arbeit“. Rund 60 Künstler aus Deutschland, Großbritannien, Russland, Kanada, Frankreich und Italien hatten sich mit dem Thema auseinander gesetzt. 35 Projekte waren entstanden: Installationen, Videos, Performances, Malereien und Fotos. Mit dem Kunstfestival sollte an die „Helden der Arbeit“ erinnert werden, an die mehr als 25 000 Menschen, die noch vor der Wende in den Industriebetrieben im Köpenicker Ortsteil Oberschöneweide in Lohn und Brot standen. Mit 80 000 Euro unterstützte der Hauptstadt-Kulturfonds das vierwöchige Kunstereignis am Ufer der Spree. Aber bislang seien nur etwa 52 000 Euro geflossen, sagt Bernd Moltzan. „Der andere Teil ist in der Insolvenzmasse von KirchBauhof“, erklärt der Chef vom Kulturwerk. Hautnah betroffen sind jetzt einige Festivalteilnehmer. „Es gibt Künstler, denen unter anderem Materialkosten erstattet werden sollten“, sagt Festival-Teilnehmerin Sonja Hartmann. Aber das sei bislang nicht passiert.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will bei der Suche nach einem neuen Veranstaltungsort helfen. Moltzan wurde jetzt mitgeteilt, dass „nach den vorliegenden Konzepten ein langfristiger Erhalt der Reinbeckhallen unwahrscheinlich ist“.

Gemeint ist ein Vorhaben, das ohnehin das Ende des Kulturtreffs an diesem Ort herbeigeführt hätte. Denn die Firma Hightech Segmentbau plant dort eine hochmoderne Produktionsanlage für Brückensegmente. Bezirk und Senat wollen dem Vorhaben, bei dem 130 Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, den Weg ebnen. Das sei eine große Chance für den Ortsteil, sagt ein Rathaus-Mitarbeiter. Dafür müssen allerdings die vier Backsteinhallen fallen.

Moltzan ist enttäuscht. Schließlich waren nach bisherigen Plänen sogar die Sanierung der Industriehallen und ein Neubau vorgesehen. „Wir haben schon eine sechsstellige Summe in die Bauplanung investiert“, sagt er. Steffi Bey

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