Berlin : Die Reste der Teilung verbinden

Kultursenator Flierl stellt sein Mauer-Gedenkstättenkonzept zur Diskussion. Die Richtung stimmt, meint die Opposition

Werner van Bebber

Das Mauermahnmal und das Dokumentationszentrum Bernauer Straße stehen im Zentrum des Gedenkkonzeptes Berliner Mauer, das Kultursenator Thomas Flierl am Montagabend vorgestellt hat. Bei einer Anhörung mit Historikern und Interessenvertretern zeigte sich, dass es dazu offenbar keine Alternative gibt. Fachleute wie der Politikwissenschaftler Manfred Wilke und der Vertreter der Opferverbände Harald Strunz sprachen Flierl ein begrenztes Lob für sein Papier aus. Schon am Nachmittag hatten Kulturpolitiker der Opposition in Reaktion auf Berichte über das Konzept dem Senator attestiert, er gehe „in die richtige Richtung“.

Flierl hält in dem 30-Seiten-Papier an den bestehenden Orten des Erinnerns fest. Mit Hinweis auf den Streit um die Installation von 1000 Kreuzen am Checkpoint Charlie und die Teilrekonstruktion der Mauer erklärt er, beim öffentlichen Gedenken solle „auf Rekonstruktionen verzichtet werden“. Das Konzept sieht vor, bekannte andere Ort des Gedenkens zu erhalten und durch ein Hinweissystem zu vernetzen. Das gilt für die Kreuze mit Namen von Mauertoten in der Nähe des Reichstages, für den Wachturm am Kieler Eck am Nordhafen, für das Parlament der Bäume am Schiffbauerdamm, für die Mauer an der Niederkirchnerstraße, die das Gelände der Topographie des Terrors begrenzt, für die East-Side-Gallery und für den Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße.

Dort will Flierl, wenn die Finanzierung des Gebäudes gesichert ist, eine Ausstellung unterbringen. Sie könnte an die Funktion des Bahnhofs in der DDR-Zeit erinnern. Er war Ein- und Ausreiseort für West-Berliner, die nach Ost-Berlin wollten, Endstation für Ost-Berliner S-Bahn-Nutzer sowie Aus- und Einreiseort für Dienstreisende der DDR.

Am Checkpoint Charlie denkt Flierl ebenfalls an eine Umgestaltung. „Prekäre Sondernutzungen“ des öffentlichen Straßenlandes müssten ausgeschlossen werden, schreibt Flierl, offenbar auf den Streit um die in DDR-Uniformen posierenden Fotomodelle anspielend. Umstritten war in der Anhörung sein Vorschlag, ausgerechnet am Checkpoint an den Kalten Krieg zu erinnern. Es gebe auch noch das Alliiertenmuseum sowie das deutsch-russische Museum in Karlshorst. Einig waren sich die Fachleute darin, dass alles unternommen werden sollte, um das weitere Umfeld der Bernauer Straße mit noch existierenden Mauerresten einzubeziehen. Nur so könne ein Eindruck von der Flächigkeit der monströsen Sperranlage geschaffen werden, hieß es. Ebenso notwendig sei es, einen Ort für das Gedenken an die Toten der Mauer zu finden. Offen blieb, welcher Ort zwischen Brandenburger Tor und Neuer Wache dies sein könne.

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