Berlin : Die restlichen "Dienstleistungswürfel" sollen bis Ende des Jahres verkauft werden

Steffi Bey

In sieben Bezirken im Ostteil der Stadt wurden sie in den 70er und 80er Jahren gebaut: die sogenannten Dienstleistungswürfel. Die bundeseigene Treuhandliegenschafts-Gesellschaft (TLG) hat nach der Wende bereits 30 dieser Gebäude verkauft, und die restlichen sechs sollen bis Ende des nächsten Jahres veräußert werden. Das kündigte TLG-Sprecherin Sabine Pentrop auf Nachfrage an.

Die zweietagigen Bauten verfügen zumeist über einen Lebensmittelmarkt, eine Post, eine Reinigung, eine Bank sowie eine Gaststätte. Absoluter Spitzenreiter bei der Zahl der Würfel ist der Plattenbau-Bezirk Marzahn. Dort gab es immerhin 13 solcher Komplexe, die der wohngebietsnahen Versorgung dienten. Lichtenberg hat neun, Hohenschönhausen acht und Hellersdorf drei. In Köpenick, Prenzlauer Berg und Pankow gibt es jeweils einen Standort.

Vor acht Jahren einigten sich das Land Berlin als Grundstückseigentümer und die TLG darauf, diese Zentren zu privatisieren. Von Anfang an stand fest, dass die Flächen auch künftig als Einzelhandels- und Dienstleistungsstandorte dienen sollten. "Teilweise wurden mit den Investoren Zusatzvereinbarungen abgeschlossen, wenn ein Dienstleistungswürfel beispielsweise über einen Jugendclub verfügte, der an dieser Stelle aber nicht mehr in das Konzept des künftigen Eigentümers passte", erklärt die TLG-Sprecherin. Dieser musste sich dann verpflichten, anderswo im Bezirk eine neue Jugendeinrichtung zu bauen.

Mit dem Verkauf der 30 Würfel erzielte die TLG Erlöse in Höhe von 220 Millionen Mark. Am Marzahner Helene-Weigel-Platz und an der Lichtenberger Otto-Schmirgal-Straße stehen beispielsweise den Anwohnern inzwischen renovierte und umgebaute Einrichtungen zur Verfügung. Probleme bereiten der TLG derzeit aber drei Würfel in Marzahn, zwei in Lichtenberg und einer in Hellersdorf. Fünf davon waren schon einmal verkauft, allerdings wurden die Verträge wieder rückabgewickelt, bedauert Sabine Pentrop. Das habe zum einen etwas mit der finanziellen Situation der Investoren zu tun, die bestimmte Auflagen nicht mehr erfüllen konnten, zum anderen mit dem "Planungsmarathon für Bebauungspläne in den Bezirken", sagt die TLG-Mitarbeiterin. So sei in manchen Gebieten direkt neben den alten Gebäuden im Laufe der Jahre ein neues Einkaufszentrum entstanden. "Eine Überversorgung wäre programmiert gewesen, und deshalb wurden ein paar Verträge rückgängig gemacht", sagt Frau Pentrop. Dennoch ist sie zuversichtlich, dass spätestens Ende 2000 alle Dienstleistungswürfel den Eigentümer gewechselt haben werden. Interessenten für die Standorten gebe es jedenfalls genug.

Zurzeit bereitet die TLG neue Ausschreibungen vor. Erstmalig wird auch der Komplex an der Marzahner Eichhorster Straße 1c dabei sein. Auf Grund komplizierter Eigentumsverhältnisse sei das erst jetzt möglich. Trotz ungeklärter Fragen wird in den noch nicht veräußerten Gebäuden gehandelt - Obst und Gemüse sowie andere Lebensmittel, Schuhe und Zeitungen verkauft. Sabine Pentrop geht davon aus, dass es nach dem geplanten Eigentümerwechsel keine Leerstände mehr gibt.

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