Berlin : Die roten Fahnen bleiben eingerollt

Die Berliner Gewerkschaften bleiben auf Distanz zur WASG

Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Gewerkschaften in Berlin gehen nicht mit fliegenden roten Fahnen zum Wahlbündnis über, das sich aus Linkspartei/PDS und WASG gebildet hat. Ob die neue politische Kraft den Arbeitnehmern tatsächlich besonders nahe steht, wollen die Gewerkschaftsvorstände in Ruhe prüfen – anhand des Wahlprogramms und des alltäglichen politischen Handelns. „Eine Extrawurst für das Linksbündnis braten wir nicht“, sagt Dieter Pienkny, Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin-Brandenburg.

Auch die Verdi-Landesbezirkschefin Susanne Stumpenhusen vermeidet jede Äußerung, aus der sich eine Affinität zur linken Wahlalternative ableiten ließe. Ihre einheitsgewerkschaftliche Neutralität lässt sie nur zulasten der Freien Demokraten sausen: „Mir ist alles recht, was Westerwelle verhindert.“ Und Stumpenhusen sagt, was sie „ganz persönlich“ an der Allianz von PDS und WASG stört. Da stünden eitle, alte Männer an der Spitze, aber keine Frau, die was zu sagen habe.

Selbst Eberhard Schönberg, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hält sich zurück. Eine Wahlaussage zugunsten des Linksbündnisses werde es nicht geben. Obwohl die GdP 2004 mit dem Vorläufer der WASG, der Berliner Wahlalternative, ein Volksbegehren zur Abwahl des rot-roten Senats organisiert hatte. Im Schulterschluss mit der Lehrergewerkschaft GEW, deren Vorstand sich derzeit nicht äußern kann, weil alle in den Sommerferien sind.

Es ist auch nicht so, dass die Berliner Gewerkschaften von der WASG unterwandert werden. Nur ein Vorstandsmitglied, Hasan Doganay, ist Funktionär der IG Metall bei Bosch-Siemens. Sein Kollege Luis Sergio, der für dieselbe Gewerkschaft als Sekretär arbeitet, schied am 19. Juni aus der WASG-Führung aus. Dann gibt es noch Ralf Krämer, Bezirksvorstandsmitglied der WASG in Pankow, der in der Verdi-Bundeszentrale, Abteilung Wirtschaftspolitik, sitzt. Führende Gewerkschaftsleute in Berlin haben, trotz aller Zerwürfnisse und Enttäuschungen, andere Parteibücher. Meistens das der SPD.

In der zweiten und dritten Reihe sieht das anders aus. So behauptet der WASG-Sprecher Gerhard Seyfart, dass es einen „Zustrom“ von Personal- und Betriebsräten gebe, die mit der SPD und den Grünen unzufrieden seien. Zahlen, die das belegen könnten, nennt er nicht. IG-Metallsprecher Jürgen Kruppa, aber auch Verdi-Chefin Stumpenhusen streiten gar nicht ab, dass Gewerkschafter, die an der Basis tätig sind, mit dem Linksbündnis sympathisieren oder in die WASG eintreten. Aber das seien Einzelfälle.

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