Berlin : Die Rückkehr der Götter

Zur Saisoneröffnung am Wochenende im Park Sanssouci wird die Vollendung des Französischen Rondells an der Großen Fontäne gefeiert

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Klappe auf. Die Skulpturen rund um die Große Fontäne in Sanssouci wurden aus ihren Winterbehausungen befreit, die Saison kann beginnen. Foto: dapd/Theo Heimann
Klappe auf. Die Skulpturen rund um die Große Fontäne in Sanssouci wurden aus ihren Winterbehausungen befreit, die Saison kann...Foto: dapd

Die Blumen auf den Rabatten im Park Sanssouci leuchten bereits in vielen Farben, die ersten Wasserspiele funktionieren und passend zur Saisoneröffnung am Wochenende können sich die Besucher über das weiße Strahlen eines besonderen Ensembles freuen. Das „Französische Rondell“ an der Großen Fontäne vor der Terrassenanlage unterhalb des Schlosses kann wieder in seiner ganzen Schönheit bewundert werden. Fast 13 Jahre lang befanden sich die von französischen Künstlern Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffenen und von Wind und Wetter gezeichneten zwölf Statuen und Figurengruppen in den Restaurierungswerkstätten. Hier standen die aus weißem Marmor bestehenden Skulpturen Bildhauern Modell, die prachtvolle Kopien anfertigten. Diese witterungsbeständigen Werke schmücken nun ab Sonnabend wieder den wohl am häufigsten fotografierten Ort im ganzen Park.

„Wir sind weltweit die einzige Institution, die historische Skulpturen nicht durch verfälschende Abdrücke ersetzt“, sagt der Direktor der Schlösser und Sammlungen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), Samuel Wittwer. „Bei uns werden die Originale durch Kunsthandwerker auf ganz traditionelle Art gefertigt.“ Entsprechend authentisch wirken die Abbilder der antiken Götter und die Allegorien der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Als letzte Skulpturen kehren nun „Feuer“ und „Wasser“ an ihren alten Platz zurück. Bis zu sieben Jahre dauerte die Arbeit der Bildhauer. Der Beifall des Publikums dürfte ihnen bei der feierlichen Enthüllung ihrer Kopien sicher sein.

Die Schlösserstiftung, die sich die Skulpturen 2,3 Millionen Euro kosten ließ, spricht von einer „zweiten Vollendung“ des Rondells. Friedrich der Große selbst hatte zwischen 1750 und 1764 die Aufstellung der Kunstwerke am prominenten Kreuzungspunkt der beiden Hauptalleen des Parks bestimmt. Anfangs waren es nur fünf Skulpturen, die der französische König Ludwig XV. dem preußischen Herrscher zum Geschenk gemacht hatte. Dieser war davon so beeindruckt, dass er in einer eigens dafür mit französischen Bildhauern eröffneten Werkstatt die anderen Statuen und Allegorien in Auftrag gab. Trotz der hölzernen Schutzbauten im Winter nahm der Marmor aber im Laufe der Jahrhunderte so großen Schaden, dass er ersetzt werden musste.

Der Besucher kann im Park aber noch mehr Neues entdecken. So erhielt das mit 304 Metern längste Gebäude ein Stück Originalität zurück. Für 1,7 Millionen Euro wurden die Holzfenster im Orangerieschloss auf dem Höhenzug am Nordrand des Parks wie ursprünglich durch Konstruktionen aus Gusseisen ersetzt. Vor etwa 70 Jahren mussten diese demontiert und für die Kriegsmaschinerie eingeschmolzen werden. Seitdem blieb es beim Holz, das die langen Pflanzenhallen für die Überwinterung der subtropischen und tropischen Pflanzen von Jahr zu Jahr schlechter abdichtete.

„Die neue Fassade dürfte zusammen mit den restaurierten Skulpturen die nächsten Jahrzehnte halten“, sagte SPSG-Generaldirektor Hartmut Dorgerloh. „Ich bin sehr froh, dass wir uns endlich auch diesem Bau widmen können. Das Schloss ist schließlich ein ganz besonderes Gebäude, symbolisiert es doch die große Italiensehnsucht von Friedrich Wilhelm IV. – auch wenn die von ihm geplante Triumphstraße mit weiteren spektakulären Bauten nie verwirklicht wurde.“

Beim Spaziergang entlang der Fensterfront könnte auch die Lust für eine große Feier an diesem Ort entstehen. „Wir vermieten die Hallen nach dem Auszug der Pflanzen“, bestätigte der Stiftungsdirektor. „Prinz Georg Friedrich von Preußen wird im August hier seine mit Sicherheit glamouröse Hochzeit feiern.“ Der 34-jährige Chef des Hauses Hohenzollern erwartet nach der Hochzeit in der Friedenskirche rund 700 Gäste. Deren Weg führt mit Sicherheit auch zum Französischen Rondell mit den neuen Marmorschönheiten.

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