Die Runde geht aufs Versandhaus : Schöner spenden beim Online-Shopping

Der Berliner Alexander Klement verwandelt über die Internetplattform www.bildungsspender.de Provisionen von Online-Händlern in Spenden – ohne Extrakosten für Kunden.

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Dienstwagen. Mit der grünen Ape transportiert Alexander Klement eine Popcornmaschine und die Werbung für sein gemeinnütziges Unternehmen. Das hat schon mehr als zwei Millionen Euro Spenden erbracht.
Dienstwagen. Mit der grünen Ape transportiert Alexander Klement eine Popcornmaschine und die Werbung für sein gemeinnütziges...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Schade, dass dieser Werbespruch schon vergeben ist: Sie haben nicht einen Pfennig dazubezahlt, die Nutzer von „Bildungsspender“. Aber sie haben – von ein paar direkten Spenden abgesehen – ohne eigene Extrakosten schon mehr als zwei Millionen Euro gesammelt. Also ziemlich viel für ein Projekt, das vor knapp fünf Jahren als Elterninitiative eines Kaulsdorfer Kindergartens begann und bis heute im Wesentlichen aus nur einem Menschen mit Home-Office und Laptop besteht.

Der Mensch ist Alexander Klement, 38 Jahre alt, ehemaliger Journalist mit Kenntnissen im Online-Marketing. „Bildungsspender wandelt in gewisser Weise Werbegeld in Spendengeld um“, erklärt er das Prinzip: Online-Händler zahlen Provisionen an jene, die ihnen Kunden bringen. Die können von Werbebannern angelockt worden sein, über Google-Anzeigen, über Gutscheine – oder eben über die Seite www.bildungsspender.de. Die basiert auf der Suchmaschine Yahoo, sortiert die Ergebnisse aber so, dass Partnershops oben stehen. Partner ist, wer Bildungsspender eine Provision zahlt – und das tun inzwischen mehr als 1500 Unternehmen, darunter praktisch alle allgemein bekannten von Amazon über Ebay bis Zalando. Üblich sind Provisionen zwischen zwei und zehn Prozent des Kaufpreises. 90 Prozent davon erhält eine vom Kunden vorab bestimmte Einrichtung, die restlichen zehn Prozent die gemeinnützige Gesellschaft Bildungsspender, die damit ihre laufenden Kosten etwa für Gehalt, IT-Kapazitäten und Buchhaltung deckt.

Ein Beispiel: Wer „Winterstiefel“ sucht und bei Zalando ein Paar für 119 Euro bestellt, bekommt sie zu den gleichen Konditionen wie jeder andere Kunde. Zalando zahlt Bildungsspender zurzeit sechs Prozent Provision vom Nettopreis, für Neukunden sogar zwölf Prozent. Macht in letzterem Fall also 12 Euro, von denen 10,80 Euro beim Nutznießer ankommen und 1,20 Euro bei Bildungsspender. Größere Bestellungen bringen entsprechend mehr: Eine netto 3000 Euro teure Kreuzfahrt, bei Aida gebucht (zurzeit sechs Prozent Provision), generiert 180 Euro Spenden, von denen 162 wirklich beim Adressaten ankommen.

Rund 4500 solcher Adressaten sind registriert und können über ein Suchfenster sekundenschnell ausgewählt werden: 1500 Kitas, knapp 1200 Schulen, 1400 Vereine, 500 kirchlich-religiöse Einrichtungen sowie zehn Universitäten. Sie alle verbindet ihre Gemeinnützigkeit, die rechtlich zwingend notwendig für dieses Spendenmodell ist. „Ein Kindergarten ist eigentlich perfekt für das Projekt“, sagt Klement: engagierte Eltern und überschaubare Ziele. Alle Erfahrung lehre, wie sehr die Spendenbereitschaft vom Ziel abhänge: 2000 Euro für ein neues Spielhaus sind eben überzeugender als die allgemeine Ansage, dass man immer Geld gebrauchen könne. Es gehe weniger „um die große Gebäudesanierung als um die Dinge rechts und links, die das Leben schöner machen“, sagt Klement. Wie zum Beispiel Spielhäuser.

Er hat Diskussionen an Schulen erlebt, in denen vom Staat als für die Bildung Verantwortlichen die Rede war, der nicht durch Eigeninitiative aus der Verantwortung entlassen werden dürfe. Klement sagt, er verstehe diese Perspektive. Nur nützt sie den Kindern erst einmal nichts.

Dabei ist Bildungsspender gar kein passendes Fundament für solche Grundsatzdiskussionen, weil man dort normalerweise kein eigenes Geld spendet. Kann man aber auch: Es gibt einen entsprechenden Button und hin und wieder auch besondere Motivationsschübe: Zuspende- Aktionen etwa, bei denen Klement überschüssiges Geld – Gewinn darf er ja wegen der Gemeinnützigkeit nicht machen – durch eingehende Direktspenden beispielsweise um zehn Prozent aufstockt. Klements Tochter ist längst vom Kindergarten in die Schule gewechselt. Wichtiger als die Größe der Einrichtung ist nach seiner Erfahrung die Bindung der Beteiligten. Die werden hauptsächlich über Mundpropaganda erreicht. Wenn es gut läuft, arbeitet beispielsweise ein Elternteil oder Vereinsmitglied in der Reisestelle eines Unternehmens oder in einer Anwaltskanzlei mit großem Büromittelbedarf. So kann ein Einzelner jedes Jahr hunderte Euro Spenden generieren, ohne das eigene Budget anzuzapfen.

Die natürlichen Feinde von Bildungsspender.de sind Gutscheinseiten und die Routine, die beispielsweise über die Google-Suche zum Shop führt. Damit das nicht passiert, gibt es als Gedächtnisstütze eine Browser-Erweiterung. Die öffnet ein Fenster, sobald man auf der Seite eines Partnershops stöbert. Um den Datenschutz müsse man sich nicht sorgen, versichert Klement: Die Registrierung diene nur der eigenen Statistik und sei freiwillig. Mehr als 90 Prozent der Gutschriften stammten von Nutzern, die sich auf Bildungsspender.de nicht registriert haben. Die Seite erfasse nur Adressat und Betrag der Gutschrift, aber nicht den Inhalt des Warenkorbes. Und der – bei anderen Bonussystemen selbstverständliche – Versuch, ein Kundenprofil zu erstellen, würde binnen kürzester Zeit einen ungewollten Datenberg erzeugen, sagt Klement. Er will, dass sein Arbeitgeber auch künftig in einen Laptop passt.

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