Berlin : Die Saat geht auf

Gründerförderung: Aus der Forschung an den Markt

Dagny Lüdemann

Berlin gilt als exzellenter Wissenschaftsstandort, an dem Forscher neue Technologien entwickeln. Doch bislang hinkt die Wirtschaft hinterher – zu selten geht in der Hauptstadt aus einer Innovation auch ein neues Unternehmen hervor. Damit sich das ändert, hat das Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI) das Exist-Seed-Programm ins Leben gerufen, das Studierende, Hochschulabsolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter bei der Existenzgründung fördert. Jetzt ist die erste Firma in Berlin daraus entstanden – gegründet von einem Informatikstudenten der Humboldt-Universität (HU).

Alexander Auerbach hatte die Idee, für seine Diplomarbeit eine Software zu entwickeln, mit der man andere Software entwickeln kann. Das klingt komplizierter als es ist: „Die neue Software ermöglicht es, Bausteine von Computerprogrammen unabhängig voneinander zu programmieren und später zusammenzusetzen“, erklärt Auerbach. Da diese Bestandteile auch einzeln funktionieren, können Software-Firmen sie immer wieder verwenden und bestehende Software damit erweitern – ohne alles von vorne programmieren zu müssen. „Beispielsweise könnte man die Datenbank eines Portals für Mitfahrgelegenheiten mit einer Routenplaner-Funktion kombinieren, ohne dass ein völlig neues Programm geschrieben werden muss“, sagt Auerbach. Vorausgesetzt, beide haben die neue netCCM-Software benutzt.

Damit der Informatiker seine Erfindung bis zur Marktreife weiterentwickeln konnte, nahm er an Exist-Seed teil. Ein Jahr lang bekam Auerbach ein Gehalt und Gelder für Sachmittel. „Im Mai habe ich die netCCM-GmbH gegründet“, sagt der 29-Jährige, der jetzt beim Aufbau seiner Firma in Adlershof vom Hightech-Gründerfonds gefördert wird.

Etwa 20 weitere Berliner Teams – unter anderem von der Technischen Universität (TU), der Charité und der Freien Universität (FU) – haben von Exist-Seed die Förderungszusage bekommen, insgesamt beläuft sich die Summe auf rund zwei Millionen Euro. Wie die beiden Informatiker Cüneyt Göktekin und Oliver Tenchio von der FU, die bereits eifrig an der Marktreife ihres Produktes arbeiten. Sie wollen ein Gerät herstellen, mit dem sich Blinde unterwegs Texte vorlesen lassen können – zum Beispiel auf Lebensmittel-Verpackungen im Supermarkt. „Genaueres darf ich noch nicht verraten, weil einige Patentfragen noch offen sind“, sagt Oliver Tenchio.

Zu der Förderung gehören auch Seminare in Marketing und Buchführung sowie Unterstützung bei der Erstellung eines Businessplans. Bei der Vorbereitung des Exist-Seed-Antrags hilft die Ipal GmbH, die als Hauptaufgabe Berliner Universitäten bei der Anmeldung von Patenten unterstützt. „Wir helfen den jungen Akademiker dabei, ihren Förderungsantrag auszuarbeiten und prüfen, wie ihre Idee rechtlich geschützt werden kann“, sagt Ipal-Projektmanager Marcel Tilmann. „Die Geschäftsidee muss innovativ sein, und es darf noch nicht zu viele Konkurrenten auf dem Markt geben, damit das Projekt Chancen hat.“

www.exist.de, www.ipal.de

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