Berlin : Die Säge im Anschlag

Für den U-Bahnhof Pariser Platz, das Einkaufszentrum am Alex und Wohnhäuser weichen fast 200 Bäume

Christian van Lessen

„Es wird massive Nachfragen von Anwohnern geben“, sorgte sich gestern Mittes grüne Baustadträtin Dorothee Dubrau. Wenn am Montag drei große Bauprojekte beginnen, ist das Ende von fast 200 Bäumen besiegelt. Sie habe schweren Herzens „aus übergeordnetem Interesse“ die Fällgenehmigung erteilt. Die Bäume stehen dem geplanten Einkaufszentrum am Alexanderplatz, den „Townhouses“ auf dem Friedrichswerder an der Jägerstraße und dem Bahnhofsbau für die U55 am Pariser Platz im Weg.

An der Alexanderstraße werden auf dem Parkplatz – wegen seiner Form „Banane“ genannt – 99 Bäume gefällt, um mit den Vorbereitungen für das Sonae-Shopping-Center am Alexanderplatz zu beginnen. Das Grundstück wird von der städtischen Wohnungsgesellschaft DeGeWo für den portugiesischen Investor Sonae vorbereitet. Bohrungen im Erdreich hat es bereits gegeben, zum Teil ist der Boden kontaminiert. Fast alle Bäume dürften wegen der Vegetationsperiode nicht gefällt werden. Aber nach dem Naturschutzgesetz sind Ausnahmen möglich, wenn Nester nicht betroffen sind oder auch „öffentliches Interesse“ am Bauvorhaben vorliegt. Die Stadträtin betonte, sie habe das „berlinweit diskutierte Vorhaben“ nach dem Baurecht genehmigt.

Für die auf der „Banane“ gefällten Bäume (Pappeln, Ahorn, Linden) wird Ersatz an der Rathausstraße und im Wuhlegarten geschaffen. Sonae-Vertreter Klaus-Ulrich Keller lobte gestern die „hervorragende Zusammenarbeit“ mit den Berliner Behörden. Wenn alles nach Plan ginge, könne das Center im Oktober 2006 eröffnen. Es werde insgesamt 37000 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten und rund 200 Läden haben. Sollte die DeGeWo daneben das geplante Hochhaus mit Hotel, Wohnungen und Büros errichten, könne man sich dort auch eine Sonae-Europazentrale vorstellen. Insgesamt will das portugiesische Unternehmen in die erste deutsche Filiale 250 Millionen Euro stecken.

Um den Platz für 50 „Townhouses“ auf dem Friedrichswerder in der Nähe des Auswärtigen Amtes vorzubereiten, müssen insgesamt 65 Pappeln, 30 bis 40 Jahre alt, gefällt werden. Mit Vogelkundlern des Naturschutzbunds habe man die Bäume schon observiert, „Nester sind nicht bewohnt“, hieß es bei der zuständigen Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK). Auch hier ist das Baurecht schon vorhanden. Auf der heutigen Grünfläche zwischen Jäger- und Oberwallstraße entstehen vom kommenden Jahr an mehrstöckige Einfamilienhäuser mit kleinem Garten. Nach Auskunft der DSK, die im Auftrag des Liegenschaftsfonds die „Parzellen“ vermarktet, sind fast alle Grundstücke vergeben.

Für den Bahnhof Pariser Platz der U55 müssen nach Auskunft von BVG-Sprecherin Petra Reetz ebenfalls Montag 16 Linden auf dem Mittelstreifen gegenüber dem Adlon fallen. Die Aktion sei durch das Planfeststellungsverfahren von 1995 legitimiert, hieß es in der Behörde für Stadtentwicklung. Hier rechnet man sogar mit 30 abgeholzten Bäumen.

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